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Hitler war wenigstens ehrlich

Ein vor sieben Jahren in der FAZ erschienener Text von Ralph Peters (”Der Tom Clancy des denkenden Mannes”, Wall Street Journal). Selten findet man so viele Volltreffer in so wenigen Zeilen. Und es gibt kaum etwas, das man 2010 zurücknehmen müsste.

Die Gesellschaften des “alten Europa” erinnern Amerikaner an die arabische Straße. Die Europäer halten sich lieber an tröstliche Illusionen als an harte Realitäten. Sie reden viel, tun wenig und machen die Vereinigten Staaten für ihre eigenen Mißstände verantwortlich. Die Sprechchöre, die man kürzlich auf den Straßen Berlins hören konnte, unterschieden sich kaum von denen, die bis vor kurzem in Bagdad zu hören waren. Das Jammern und Klagen in Europa, die Begeisterung, mit der man den Amerikanern jede erdenkliche Bosheit unterstellt, während man alle Tugenden für sich beansprucht, und der erstaunliche Mangel an Selbstkritik lösen bei den Amerikanern Bestürzung aus. Wir dachten, ihr wäret erwachsen, aber von der anderen Seite des Atlantiks aus wirkt ihr wie verzogene Kinder…

Bundeskanzler Schröder hat uns erstaunt. Wir wußten schon lange, daß er ein politischer Scharlatan ist, aber das Ausmaß seiner Demagogie und seine amateurhafte Unfähigkeit, die Folgen seines Geschreis vorauszusehen, haben uns denn doch verblüfft. Wir sehen in Schröder einen Mann, der keinerlei Überzeugungen besitzt, ein politisches Tier von solcher Verkommenheit, daß er allenfalls den europäischen Karikaturen amerikanischer Schmalspurpolitiker ähnelt. Sein opportunistischer Antiamerikanismus schien nur auf Effekt aus zu sein, ohne jede Substanz und von keinem echten Glauben getragen.

Doch in anderer Hinsicht erwies Schröder sich als echter Europäer. Er kritisierte, aber bot keine eigenen brauchbaren Lösungen an. Er stellte Schlagworte über Ideen und Bequemlichkeit über ethische Belange. Und er gab kleinlichen Egoismus als politisches Heldentum aus. Welche Eigenschaften könnten das Europa des einundzwanzigsten Jahrhunderts besser charakterisieren?

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November 2010

Autor: Steinhöfel | Kommentare: 48 | Print This Post Print This Post

Thema: Allgemein, EU, Naher und Mittlerer Osten, Sozialdemokratisch-medialer Komplex, USA
  1. carckerjack schreibt am 14. November 2010 um 11:51

    col peters? da war doch was???

    ach ja………

    http://www.youtube.com/user/theyoungturks?blend=1&ob=4#p/search/2/zopLAWW38VM

    http://www.youtube.com/user/theyoungturks?blend=1&ob=4#p/search/2/zopLAWW38VM

    …der peters ist loony mäßig schon weit über tea party hinaus. bei uns wäre er in überwachte betreuung.

  2. andrej schreibt am 14. November 2010 um 13:24

    Da die von Dir herbeigesehnte “überwachte betreuung”, also Psychatrisierung pol. Gegner, immer eine Spezialität totalitärer Regime war und ist, Cracker, erlaube mir bitte eine Frage:
    Welches Politbüro ist denn mit “bei uns” gemeint????

  3. Michael Bender 70372 schreibt am 14. November 2010 um 17:45

    Also habe eben auch das Video gesehen, sogar die Moderatorin von Fox war shockiert, über die Aussagen von diesem Typen.
    Da fällt einem wirklich nichts mehr ein. Geht gar nicht, der Typ stammt ja direkt aus Dr. Strangelove

  4. crackerjack schreibt am 15. November 2010 um 11:45

    @andrej

    ok. sorry. Man sollte sich nicht auf col.peters niveau begeben und den pol. gegener internieren und exekutieren.
    Der unterschied zwische europa und amerika ist das solche figuren in der usa beinahe schon zum medien mainstream gehören, während bei uns selbst die npd dankend abwinken würde und der gute colonel höchstens bei den sächsischen national kammeradschaften eine betätigungsfeld fände.

  5. Benno schreibt am 15. November 2010 um 13:55

    Welche Überraschung - Deutschlands Chefintellektueller crackerjack amüsiert sich natürlich über die “Tea Party”-Bewegung. Wieso wußte ich das schon vorher? *gähn*
    Nunja, wir haben zwar keinen Peters, aber dafür haben wir die psychisch kranke, totalitär gesinnte Künast, die strunzdumme Claudia Roth, den Kommunisten Trittin und den zwielichtigen Ströbele. Außerdem haben wir einen großen Haufen Gesinnungsnazis in den Medien, besonders den Veröffentlicht-Unrechtlichen.
    Das gleicht sich doch wieder aus, finde ich.

  6. andrej schreibt am 15. November 2010 um 18:09

    Stimmt, Cracker. Die NPD würde mit Sicherheit dankend abwinken:
    “Bereits vor Kriegsbeginns hatten sich fast alle rechtsextremistischen Parteien, Neonazis und Vertreter des intellektuellen Rechtsextremismus vehement gegen Militäraktionen im Irak und insbesondere gegen eine deutsche Beteiligung oder Unterstützung ausgesprochen. Vereinzelte
    Ausnahmen gab es nur im Bereich des Intellektuellen Rechtsextremismus. Die Ablehnung beruhte auf einem ideologisch geprägten Antiamerikanismus der allermeisten Rechtsextremisten, der seinen Ausgangspunkt in der Ablehnung der US-amerikanische Gesellschaft hat. Deren
    starke Ausrichtung an (wirtschafts-)liberalen, pluralistischen und multikulturellen Vorstellungen macht sie zum Gegenmodell einer ethnisch homogenen, völkisch geprägten Gesellschaft nach rechtsextremistischen Vorstellungen.
    Zu dem Feindbild USA kommen die weiteren Feindbilder Israel und Judentum hinzu. [...]
    Das Motto “Stopp – den Krieg für IsraÖl”, unter dem die Neonazi-Szene aus dem Ruhrgebiet am 24. März 2003 in Dortmund demonstrierte,”
    http://www.im.nrw.de/sch/doks/vs/irakreak.pdf

    Das ist nun wirklich so weit von Peters weg wie nur irgendwas!
    Aber, Cracker, Gegenfrage, welcher Mainstream, um Dein Wort aufzugreifen, kann denn offenbar vorzüglich mit NPD-
    Slogans leben?
    “Der sozialdemokratische Bürgermeister der Gemeinde Krauschwitz (Burgenlandkreis), Hans Püschel, hat am 6. November den NPD-Bundesparteitag in Hohenmölsen (auch Burgenlandkreis) besucht und dann die rechtsextreme Partei gelobt. Er habe in den Redebeiträgen „kaum einen Satz gefunden, den ich nicht selbst hätte unterschreiben können“, äußerte der Kommunalpolitiker in einem Leserbrief, den Püschel auf eine Website der SPD stellte, nachdem die „Mitteldeutsche Zeitung“ den Abdruck verweigert hatte. Außerdem habe er die NPD-Idee eines Ehestandsdarlehens mit Teilerlass bei Kinderzuwachs „noch von DDR-Zeiten in angenehmer Erinnerung“, schrieb Püschel.”
    http://www.tagesspiegel.de/politik/spd-buergermeister-lobt-die-npd/2606876.html

    Mit den angesprochenen Themen Antisemitismus, Antiamerikanismus, pseudo-Pazifismus und n bisschen Sozial-Blabla wie Mindestlohn kann die NPD offenbar zumindest im intellektuell unterdurchschnittlichen Teil des linken Mainstreams Gefühle wecken, dass sich einige wie zuhause bei Mutti fühlen.

  7. crackerjack schreibt am 18. November 2010 um 12:38

    @ andrej

    Nazis, spd, sed, ddr, mainstream,sozialisten ??? Alles sehr verwirrend.

    Erst müßte geklärt werden was wir unter antiamerikanismus verstehen. Wenn kritik an der politik der bush regierung antiamerikanismus war, dann muß kritik an der politik der obama administration folgerichtig auch als antiamerikanismus gelten. Beide presidenten sind demokratisch gewählte vertreter der us bevölkerung.
    In dieses antiamerikanismus spiel haben sich , nach obamas wahl, schlagartig die fronten gewechselt. Diejenigen die bush einst pauschal ablehnten mutierten plötzlich zur jubelamerikaner während die ehemaligen bush gefolgschaft durch pauschale ablehnung obamas deren antiamerikanismus agenda übernahm.
    Das gleiche gilt für col. peters. Für den guten colonel war der ablehnung der politik der demokratisch gewählten presidenten bush agressive antiamerikanismus. Jetzt lehnt der colonel aber selbst sein demokratisch gewählte president obama agressive ab…..

    http://www.freedomslighthouse.com/2009/07/lt-col-ralph-peters-likens-obama-to.html

    ……verhält sich also, seine eigenen regeln nach, einwandfrei antiamerikanisch.

    Dieser wiederspruch erklärt aber auch die fixierung dieser kreise auf obamas geburtsurkunde, um seine legimitation als us bürger zu beschädigen. Nicht sie sind antiamerikanisch durch ihre ablehnung ihren demokratisch eingesetzten volksvertreter, sonder der volksvertreter ist kein amerikaner. Einen weiteren kunstgriff in diesem spiel ist der rückzug auf vermeindliche ur-amerikanische werte und freiheiten, die das angebliche freie volk gegen übergriffe seites ihres vertreters verteidigen muß. Die demokratischen verfahren und spielregeln müßen hier volkeszorn und selbsternannte volkswille weichen. Stuttgart 21 goes to washington. ;-)

    wie du bemerkst……….mit solch schwammigen kampfslogans wie antiamerikanismus kommt man nicht sehr weit.

  8. Dr. Knölge schreibt am 18. November 2010 um 16:25

    Kann mir jemand mal genau erklären, was der Text von Ralph Peters mit Hitler zu tun hat?

  9. Experte schreibt am 24. November 2010 um 18:15

    @andrej
    Definiere uns doch mal “Rechtsextremismus”.
    Experte:

    „Nichts ist uns verhaßter als der rechtsstehende nationale Besitzbürgerblock.
    Der Idee der NSDAP entsprechend sind wir die deutsche Linke.“
    - Joseph Goebbels

    “Kampf gegen rechts” - WEEER hat’s erfunden?

    „Wir haben die linken Klassenkämpfer liquidiert, aber leider haben wir dabei vergessen, auch den Schlag gegen rechts zu führen. Das ist unsere große Unterlassungssünde.“
    - Hitler am 24. Februar 1945 auf einer Tagung der Reichs- und Gauleiter

    http://lichtschlag-buchverlag.de/rezension/37

    Nochmal zum Mitschreiben: Trotz anderslautender Lügenpropaganda - Die National-Sozialisten waren NICHT rechts, sondern deren Todfeinde unter dem rechtskonservativen Freiheitskämpfer und Antifaschisten Claus Schenk Graf von Stauffenberg, unserem Nationalhelden.

    - Hitler war wenigstens ehrlich - Z.B.:

    “Ich bin Sozialist,
    ganz anders als der z.B. der hochvermögende Herr Graf Reventlow. Ich habe als einfacher Arbeiter angefangen. Ich kann heute noch nicht sehen, wenn mein Chauffeur ein anderes Essen hat als ich. Aber was Sie unter Sozialismus verstehen, ist einfach krasser Marxismus. …”
    (”Hitler”, Joachim C. Fest, Berlin, März 1998, Neuausgabe von UB 33087, S. 410)

    “Schlag / Kampf gegen rechts ist zwar eine Erfindung vom rotbraunen Führer, “Die Judenfrage” allerdings brachte der Profet der marxistischen Weltreligion früher ins Spiel. “Krasser Marxismus”:

    (”Zur Judenfrage”)
    “Note that Marx wanted to “emancipate” (free) mankind from Jewry (”Judentum” in Marx’s original German), just as Hitler did and that the title of Marx’s essay in German was “Zur Judenfrage” — which is exactly the same expression (”Jewish question”) that Hitler used in his famous phrase “Endloesung der Judenfrage” (”Final solution of the Jewish question”). And when Marx speaks of the end of Jewry by saying that Jewish identity must necessarily “dissolve” itself, the word he uses in German is “aufloesen”, which is a close relative of Hitler’s word “Endloesung” (”final solution”). So all the most condemned features of Nazism can be traced back to Marx and Engels. The thinking of Hitler, Marx and Engels differed mainly in emphasis rather than in content. …”
    http://israpundit.blogspot.com/2005/01/hitler-and-marx-agreed-about-jews.html

    Also:
    Wie war das noch mit dem Rechtsextremismus?

  10. Experte schreibt am 24. November 2010 um 18:35

    ” … echter Europäer. Er kritisierte, aber bot keine eigenen brauchbaren Lösungen an.”

    Wie wär’s mit dem hier: Echter Pan-Europäer bietet die Endlösung:

    “Der Mensch der fernen Zukunft wird Mischling sein. Die heutigen Rassen und Kasten werden der zunehmenden Ueberwindung von Raum, Zeit und Vorurteil zum Opfer fallen. Die eurasisch-negroide Zukunftsrasse, aeusserlich der altaegyptischen aehnlich, wird die Vielfalt der Voelker durch eine Vielfalt der Persoenlichkeiten ersetzen. [...]” Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, “Praktischer Idealismus”, Wien 1925 - http://balder.org/zed/coude

    PAN-Europa klingt schon ziemlich schräg,
    Dutroux-Kinderschändernetzwerke, belgischer Justizskandal und so …

    “Anyone who is familiar with Satanism and the occult knows that “Pan” is the pagan god of sexual fertility, lust, homosexuality, rape and pedophilia.”
    http://www.jesus-is-savior.com/Evils in America/Hellivision/pans_labyrinth.htm

  11. Thilo Schmidt schreibt am 15. Dezember 2010 um 16:11

    @Experte

    “Nochmal zum Mitschreiben: Trotz anderslautender Lügenpropaganda - Die National-Sozialisten waren NICHT rechts, sondern deren Todfeinde unter dem rechtskonservativen Freiheitskämpfer und Antifaschisten Claus Schenk Graf von Stauffenberg, unserem Nationalhelden.” - Der Satz haut grammatikalisch zwar nicht hin (”deren Todfeinde” - wessen denn? - hier fehlt das Substantiv), aber der Gedanke, auf den Sie so großen Wert legen, ist doch wohl der, dass die Nationalsozialisten Linke und damit “Todfeinde” der wahren Rechten gewesen seien … - Hierzu nur ein paar Fragen:
    1. War der alte Traum der Arbeiterbewegung wirklich ein judenfreies Großdeutschland?
    2. Ist der Internationalismus der Arbeiterbewegung (”Die Arbeiterklasse hat kein Vaterland.”) wirklich das gleiche wie der Nationalismus faschistischer Organisationen (beisp. der NSDAP)?
    3. War es nicht so, dass die Nationalsozialisten unter Rechtskonservativen durchaus eifrige Fürsprecher und Unterstützer hatten? Man sagt ja sogar, dass das rechtskonservative Urgestein Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hätte …
    4. Ist die Vorstellung, dass es sich bei den Widerständlern des 20. Juli um “Todfeinde der Nationalsozialisten gehandelt hätte, nicht einigermaßen albern angesichts dieser Versammlung von NSDAP-Mitgliedern und hochrangigen Praktikern des nationalsozialistischen Welteroberungsprojektes? Oder anders gefragt: Empfing der Führer in der Wolfsschanze wirklich seine “Todfeinde” oder nicht doch vielmehr diejenigen, die seit Jahren an leitenden Stellen damit betraut waren den Zweiten Weltkrieg zu einem für das faschistische Deutsche Reich siegreichen Ende zu bringen?
    5. Ist Ihr Nationalheiliger Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit seinen Vorstellungen von Volk und Rasse (”Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk. Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt.” - So von Stauffenberg in einem Brief an seine Frau über die Bevölkerung im besetzten Polen)wirklich so etwas wie das glatte Gegenteil der NS-Rassehygieniker oder lassen sich hier vielleicht doch gewisse, zarte Übereinstimmungen erkennen?

    Wenn an Ihrer steilen These etwas dran ist, sollte es ein Leichtes für Sie sein, diese Fragen zu beantworten.

  12. andrej schreibt am 16. Dezember 2010 um 18:15

    Herr Schmidt, ich bin zwar nicht angesprochen, aber ich möchte trotzdem meinen Senf dazugeben:
    Im Jahre 1940 wurde Deutschland von einem gewissen Adolf H, Italien von einem gewissen Benito M., und Frankreich nach der Niederlage im Mai und dem Ende der Demokratie dort von einem gewissen Pierre L. regiert, der später, nach der Befreiung, wegen Kollaboration mit den Nazis erschossen werden sollte.
    Eine auffällige biographische Gemeinsamkeit der Herren:
    “1903
    Laval tritt der Sozialistischen Partei Frankreichs bei.
    1909
    Nach einem Jurastudium arbeitet er als Rechtsanwalt in Paris. Er wird bekannt als Verteidiger von Gewerkschaftern und Sozialisten.
    1914
    Als Abgeordneter für Aubervilles (bei Paris) wird er in das französische Parlament gewählt.”
    http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/LavalPierre/index.html
    “1901
    Mussolini schließt seine Ausbildung mit dem Grundschullehrer-Diplom ab.
    Er tritt der Sozialistischen Partei Italiens (PSI) bei.
    [...]
    1912
    Juli: Er wird in den Exekutivausschuß der PSI berufen.
    November: Mussolini wird Chefredakteur der sozialistischen
    Tageszeitung “Avanti” in Mailand, deren Auflage bald darauf von
    20.000 auf 100.000 Exemplare anwächst.”
    http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/MussoliniBenito/index.html
    “Weitere, bisher zu wenig wahrgenommene Quellenfunde zeigen zudem, dass der wurzellose österreichische Gefreite in München zur Jahreswende 1918/19 wie viele seiner Kameraden der Mehrheitssozialdemokratie zuneigte. Er ließ sich sogar zum Soldatenrat wählen.
    Ein bislang fast unbekanntes Foto zeigt Hitler, wie er am 26. Februar 1919 dem Trauerzug für den ermordeten bayerischen Revolutionsministerpräsidenten Kurt Eisner zusieht. In “Mein Kampf” behauptete der NSDAP-Chef dagegen, erst im März 1919 nach München gekommen zu sein. Fest steht jedoch, dass Hitler mindestens zehn Wochen lang zu den Unterstützern der linken Räteregierung gehörte.”
    http://www.welt.de/kultur/article3300435/Adolf-Hitler-wurde-spaet-zum-Antisemiten.html

    Und wenn man andererseits sich die “linken” Linken anschaut, was haben wir da z.B.?
    “So forderte das Vorstandsmitglied der KPD Ruth Fischer 1923:

    „Tretet die Judenkapitalisten nieder, hängt sie an die Laterne, zertrampelt sie!“”

    Ich weiss nicht, ob “der alte Traum der Arbeiterbewegung wirklich ein
    judenfreies Großdeutschland” war, aber in der KPD träumte man offenbar
    teilweise zumindest manchmal damals von etwas, was “vielleicht doch gewisse, zarte Übereinstimmungen” mit unverhohlenem Antisemitismus aufweist. Soll heute ja auch bei Linken vorkommen…
    Und die drei “rechten” Linken oben zeigen “gewisse, zarte” Affinitäten zu linken Parteien in ihren Lebensläufen…
    Irgendwie ist das doch alles nicht so weit voneinander weg, so scheint es.

  13. Thilo Schmidt schreibt am 17. Dezember 2010 um 00:13

    @andrej
    1. Es mag sein, dass faschistische Parteigründer in früheren Jahren mehr oder weniger stark ausgeprägte Verbindungen zum sozialistischen Lager hatten. - Nur, was soll daraus folgen? - Dass der Faschismus dann wohl nur eine besondere Spielart des Sozialismus sein könne, folgt nämlich lediglich, wenn man von der (unausgesprochenen) Voraussetzung ausgeht, dass Menschen niemals ihre Überzeugungen über Bord werfen, sondern immer nur, ein ganzes Leben lang, ein und demselben Programm folgen … Die sprichwörtliche 180-Grad-Wende wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Dass diese Prämisse nicht explizit geäußert wird, ist wenig verwunderlich: Sie taugt nichts. Oder würden dieselben Leute, für die sonnenklar ist, dass Hitlers Flirt mit sozialistischen Ideen DER Beweis dafür sei, dass der Nationalsozialismus letztlich doch nichts anderes gewesen sei als ein Bolschewismus mit Hakenkreuz, ebenso eifrig bekräftigen, dass die NSDAP-Mitgliedschaften einer stattlichen Reihe von deutschen Nachkriegspolitikern DER Beweis dafür seien, dass in der BRD eigentlich doch nur das 1000-jährige Reich fortexistierte? - Wohl kaum …
    Insofern “beweisen” diese biographischen Bezüge auch nichts, sie deuten lediglich an, legen nahe, ohne dass der den Bezug Herstellende sich zu weit aus dem Fenster lehnen müsste (Also eher “irgendwie … so scheint es” als “so ist es und zwar aus folgenden Gründen” - im letzten Falle stellt man die eigenen Argumente zur Debatte. Und macht sich damit angreifbar …).
    Deswegen hier ein konstruktiver Vorschlag: Wer so großen Wert darauf legt, dass der Nationalsozialismus der verschiedeneiige Zwillingsbruder des Sozialismus sei, und damit (und hierin dürfte der Reiz dieser These bestehen) etwas, was sich auf dem polit-moralischen Schuldkonto “der Linken” verbuchen lasse, der möchte doch bitte DEN INHALTLICHEN BEWEIS FÜHREN, also an den politischen Systemen und ihren Ideologien selbst den Nachweis der Identität erbringen.
    2. Auch der Hinweis auf antisemitische Tendenzen im Sozialismus taugt nicht, um die politisch-ideologische Nähe der beiden Systeme zu beweisen: Diese Tendenzen gab es nämlich auch noch an ganz anderen Orten, etwa im rechtskonservativen Lager (die Deutschsoziale Antisemitische Partei des Kaiserreichs trug den Judenhass bereits im Namen) und ganz allgemein im deutschen Bürgertum (sogar Thomas Mann konnte den Nazis, von denen er ansonsten nichts hielt, Anfang der 30er Jahre immerhin das eine abgewinnen, nämlich dass sie mit der “Verjudung” in Wirtschaft und Kultur aufzuräumen gedachten). - Und auch hier wieder das Gleiche: Entweder man ist konsequent, folgt der eigenen unausgesprochenen Prämisse und schmeißt gleich alles in ein und denselben Sack oder man muss sich schon die Mühe machen und aufzeigen, WORIN die antisemitischen Tendenzen im Sozialismus und der Antisemitismus des Nationalsozialismus eigentlich identisch waren. Dass es da gewichtige Unterschiede gab, zeigt nicht zuletzt das von Ihnen angeführte Fischer-Zitat: In dem ist von JudenKAPITALISTEN die Rede; hier wanzte sich also eine Kommunistin an in der deutschen Bevölkerung weit verbreitete Ressentiments an, um einer Feindschaftserklärung an die Angehörigen einer KLASSE zusätzlichen Schwung zu verleihen: Wie Sie wissen, waren die Kommunisten der Weimarer Republik (und nicht nur die) KEINE Freunde von evangelischen, katholischen oder atheistischen Kapitalisten - auf deren Ende arbeiteten sie keineswegs mit weniger Energie hin. - Für die Nationalsozialisten hingegen war das DER ENTSCHEIDENDE UNTERSCHIED: Die unerwünschte, feindliche Gesinnung meinten sie an der Religionszugehörigkeit (die im Falle des Judentums für sie eine Rassenzugehörigkeit war) festmachen zu können. Deswegen vollzogen sie auch einen Übergang, den die Kommunisten trotz aller antisemitischen Tendenzen nicht gemacht haben: Für sie (die Nationalsozialisten) war nicht nur der jüdische Kapitalist ein zu bekämpfender Feind, sondern auch der jüdische Arbeiter: Es kam ihnen schließlich nicht wie den Kommunisten auf die Klassen- sondern auf die RASSENzugehörigkeit an (weswegen der Antisemitismus der Faschisten sich nicht in hin und wieder durchgeführten Kampagnen - s. etwa die antisemitische Kampagne nach dem Prager Frühling - erschöpfte, sondern tatsächlich bis zu seiner letzten praktischen Konsequenz, dem Völkermord, durchbuchstabiert wurde).

    So, es wäre mir wahrlich eine Freude, hierzu eine fundierte Gegenposition zu hören; ansonsten werde ich wohl noch ein paar Überlegungen zum sozialistischen Element im Nationalsozialismus nachliefern. - Jetzt muss ich aber wieder an die Arbeit.

  14. andrej schreibt am 17. Dezember 2010 um 11:42

    Sie widersprechen sich ja selbst: “s. etwa die antisemitische Kampagne nach dem Prager Frühling”. Die richtete sich nur gegen “jüdische Kapitalist”en und nicht gegen “jüdische Arbeiter”? Glauben Sie, die CSSR war 1967 nach 20 Jahren Stalinismus noch voller “Kapitalisten”?
    “40000 Sowjetjuden werden wahrscheinlich dieses Jahr nach Israel ausreisen. ”
    schrieb der Spiegel 1973 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41986700.html).
    50 Jahre nach der Oktoberrevolution waren das bestimmt auch alles noch Rest-Kapitalisten von vor 1917.

    Zum “Zwillingsbruder des Sozialismus”:
    Dass mit dem “Bolschewismus mit Hakenkreuz” ist doch nur eine Nebelkerze. Nach dem Motto: Die Nazis waren das Gegenteil von Linken, sonst hätten sie ja wie Lenin und Stalin alles enteignet, verstaatlicht, kollektiviert.
    Dann allerdings, nach diesen Kriterien, würden nicht mal Brandt oder Olaf Palme als Linke durchgehen.

    Betrachten wir mal die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Nazis. Die war nun eines aber ganz bestimmt nicht: Sonderlich “kapitalistisch”.
    Die ähnelte eher dem, was linke Regierungen immer wieder tun:
    - Sozialstaat ausbauen oder aufblähen, wie immer Sie es nennen wollen
    - Staatsausgaben erhöhen, logische Konsequenz:
    - Schulden machen
    - Beamtenapparat vergrößern.
    Die Staatsausgaben der Nazis gingen zwar größtenteils in die Rüstung, aber auch das kommt ja bei Linken vor. Die Sowjetunion war bei Rüstunsausgaben auch nie bescheiden, bis sie daran zu Grunde ging. “Venezuela ist unter Präsident Hugo Chávez 2006 nach Pakistan, Indien und Saudi-Arabien sogar auf Platz 4 der weltweiten Rüstungseinkäufer unter den Entwicklungsländern aufgestiegen.”
    http://www.handelsblatt.com/politik/international/steht-suedamerika-vor-wettruesten;1408437

    Vergleichen Sie mal. Damals rechts:
    “die Tarifautonomie der Arbeitnehmer und Arbeitgeber war mit dem am 19. April 1933 erlassenen Gesetz über die Einsetzung von Treuhändern der Arbeit durch staatliche Zwangsregelung ersetzt worden. ”
    http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/organisationen/daf/index.html
    Heute links:
    Wer will denn gerade aktuell heute staatl. Eingriffe in die Tarifautonomie unter dem Stichwort ‘Mindestlohn’?

    Rechts:
    Nazi-Banker geht, weil er die ruinöse Finanzpolitik nicht länger tragen kann:
    “1937
    November: Schacht, der aufgrund der fortschreitenden Geldentwertung erfolglos auf einer Konsolidierung der Finanzen besteht, tritt von seinen Ämtern als Wirtschaftsminister und Generalbevollmächtigter zurück.
    http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SchachtHjalmar/index.html

    Links:
    Rücktritt eines SPD-Wirtschaftsministers unter Brandt:
    “”Ich bin nicht bereit, eine Politik zu unterstützen, die nach außen den Eindruck erweckt, die Regierung lebe nach dem Motto: “Nach uns die Sintflut.”"
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42854095.html

    Heute gibt es Frauen-, Fahrrad-, Integrationsbeauftragte, und damals wurde auch schon gerne und viel beauftragt:
    »Für die anderen Turn- und Sportvereine im Elsaß trifft mein Beauftragter für Leibesübungen die erforderlichen Anordnungen zum Zwecke ihrer Eingliederung in den Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen.«
    http://www.zeno.org/Geschichte/M/Der+N%C3%BCrnberger+Proze%C3%9F/Hauptverhandlungen/Achtundvierzigster+Tag.+Freitag,+den+1.+Februar+1946/Nachmittagssitzung

  15. andrej schreibt am 17. Dezember 2010 um 12:06

    Noch etwas, Herr Schmidt:
    Wer heute extrem rechts wählt, scheint auch, wenn er schon aus taktischen Gründen anders wählen muss, mit links aussen weit weniger Probleme zu haben als mit den anderen Parteien. Das bestätigt sogar jemand, dem das eigentlich peinlich sein sollte:
    “Ramelow: Aus unseren Wahlanalysen des Vorjahres wissen wir, daß sich eine nicht unerhebliche Zahl der Wähler mit der Erststimme für die PDS und mit der Zweitstimme für die NPD entschieden hat.”
    http://www.welt.de/print-welt/article473144/Die_NPD_hat_es_im_Osten_leichter.html

  16. Thilo Schmidt schreibt am 17. Dezember 2010 um 20:00

    @andrej

    1. “Sie widersprechen sich ja selbst …” - Nein: Was Ruth Fischer 1923 gesagt hat ist eine Sache. - Wenn Sie meinen Auslassungen dazu widersprechen wollen, tun Sie das. Was 45 Jahre später im Ostblock passierte, ist eine andere Sache, die für sich erklärt werden muss. Worauf es mir an der Stelle ankam, ist folgender Unterschied: Im einen Fall hat man es mit einer temporären Kampagne gegen eine Bevölkerungsgruppe zu tun, deren Mitglieder von der Staatsmacht verdächtigt werden, einer feindlichen Macht die Treue zu halten. - Insofern war die antisemitische Kampagne nach dem Sechstagekrieg vergleichbar mit der Internierung japanisch-stämmiger US-Bürger während des Zweiten Weltkrieges. Im anderen Falle hingegen hat man es mit einer Politik des Völkermordes zu tun, die die praktische Konsequenz aus dem Gedanken ist, dass staatsfeindliches und volksschädigendes Verhalten zur biologischen Grundausstattung der Angehörigen der zur Rasse umdefinierten jüdischen Glaubensgemeinschaft gehöre.

    2. Ihre Annahme, dass die Nazis KEINE kapitalistische Finanz- und Wirtschaftspolitik betrieben hätten, halte ich aus folgendem Grund für verkehrt: Die Frage, ob eine Gesellschaft kapitalistisch wirtschaftet oder nicht, entscheidet sich an der grundsätzlichen Art und Weise, wie diese Gesellschaft ihre Reichtumsproduktion organisiert: Wer befindet sich im Besitz der Produktionsmittel? Worin besteht der Zweck der Produktion? - Das sind die entscheidenden Fragen. Im Falle des Dritten Reiches lauten die Antworten hierzu wie folgt: Das Rechtsinstitut des Privateigentums hatte auch zwischen 1933 und ‘45 Bestand, die Produktionsmittel befanden sich in den Händen von privaten Eigentümern und der Zweck des Wirtschaftens unterm Hakenkreuz war derselbe, wie in der Zeit davor und danach: Es ging um die Vermehrung von privatem Geldreichtum. - Wenn das nicht Kapitalismus ist, was dann?

    Die von Ihnen als Indizien bemühten politischen Maßnahmen wie Sozialstaatsausbau, Staatsverschuldung, Ausbau der Bürokratie sind denn auch weder Anschläge auf den Kapitalismus, noch Beweise dafür, dass ein solcher im Dritten Reich unmöglich vorgelegen haben könne, sondern schlicht und ergreifend Standardinstrumente aus dem Werkzeugkasten kapitalistischer Staatspolitik; politische Maßnahmen, die kapitalistische Staaten ergreifen, wenn sie sie für opportun halten. Das jeweilige Gegenteil - Sozialstaatsabbau, Abbau der Staatsschulden, Bürokratieabbau … - gehört ebenfalls zum Arsenal und wird bei Bedarf angewendet. - HIERAN entscheidet sich nicht die Systemfrage. [Und wer glaubt, dass sie das täte, hat sich ein herrliches Rezept zum Irrewerden ausgestellt: War Ronald Reagan Antikapitalist, weil er die Staatsverschuldung in die Höhe trieb und die Steuern erhöhte? Ist Gerhard Schröder gar kein echter Sozialdemokrat, weil er die Agenda 2010 auf den Weg brachte und den Langzeitarbeitslosen die Bezüge zusammenstrich? - Bevor man sich über derlei Unsinnsfragen den Kopf zerbricht, sollte man doch besser Sudoku spielen ...]

    3. Ihnen muss doch selber auffallen, dass diese Manier des insinuierenden Parallelenziehens unter analytischen Gesichtspunkten extrem schwach auf der Brust ist:

    - Die Nazis haben aufgerüstet und die Sowjets auch. - Ja, und? Die NATO-Staaten verfügen über das größte Arsenal an Vernichtungsmitteln, das es in der Menschheitsgeschichte bisher gegeben hat. - Was soll jetzt daraus folgen?

    - Genauso Ihre Schacht-Möller-Parallele: Im Dritten Reich tritt ein Finanzminister zurück, weil er die von der Regierung gewollte Finanzpolitik nicht mittragen will, Jahrzehnte später tritt ein anderer Finanzminister einer anderen deutschen Regierung zurück, weil er mit deren Finanzpolitik nicht einverstanden ist. - Was wollen Sie damit eigentlich sagen?

    - Eine andere von Ihnen bemühte Parallele ist gar keine: Im Dritten Reich wird die Tarifautonomie aufgehoben und die Gewerkschaften werden verboten, heute wird über den Mindestlohn debattiert. - Ist das für Sie wirklich das Gleiche?

    Nehmen Sie die Aufforderung aus meinem letzten Kommentar doch einmal ernst und betreiben Sie ihr “Hier wie dort”-Spiel uneingeschränkt, ohne vorab festgelegte Einschränkung auf bestimmte Bereiche des politischen Spektrums. - Ich verspreche Ihnen, sie werden da Entdeckungen machen …

    Wenn ich es mir recht überlege, sollten Sie das vielleicht doch besser sein lassen und stattdessen einfach mal klipp und klar sagen, warum Sie meinen, dass Hitler und Konsorten dem linken Lager zuzurechnen seien. - Eine Debatte über diese Gründe wäre ergiebiger, als eine Auseinandersetzung über aus den Tiefen des Internets gefischte vermeintliche historische Parallelen.

  17. andrej schreibt am 18. Dezember 2010 um 18:23

    Ich antworte mal bröckchenweise, weil der leere Kühlschrank noch gefüllt
    werden muss.
    Sie reden von einer “temporären Kampagne gegen eine Bevölkerungsgruppe zu tun, deren Mitglieder von der Staatsmacht verdächtigt werden, einer feindlichen Macht die Treue zu halten. - Insofern war die antisemitische Kampagne nach dem Sechstagekrieg vergleichbar mit der Internierung japanisch-stämmiger US-Bürger während des Zweiten Weltkrieges.”
    In plain English: Der Vergleich ist absurd! Aber völlig! Die Japaner haben versucht, die amerikanische Pazifikflotte zu versenken. Hat Israel die Rote Flotte versenkt? Angegriffen? Odessa bombardiert? Wladiwostok? Murmansk? Oder wenigstens ‘nen albanischen Fischkutter?

  18. Thilo Schmidt schreibt am 18. Dezember 2010 um 20:53

    @andrej

    Natürlich nicht. - Es ging um die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den sowjetischen Verbündeten im Nahen Osten (Stichwort Kalter Krieg …). Was die Absurdität des Vergleiches anbelangt, so möchte ich folgendes zu bedenken geben: Es waren nicht “die” Japaner, die Pearl Harbor bombardierten, sondern dies wurde auf Befehl der japanischen Regierung von Teilen der japanischen Luftwaffe ins Werk gesetzt. Die Internierten hingegen lebten teilweise seit Jahrzehnten in den USA und besaßen die US-amerikanische Staatsbürgerschaft; ihr ganzes Vergehen bestand also in ihrer japanischen Herkunft (die sie sich nicht ausgesucht hatten). - Die Gemeinsamkeit der beiden Fälle besteht also darin, dass Angehörige eines Kollektives, lediglich weil sie solche sind, als Parteigänger der Ziele und Maßnahmen der politischen Führung dieses Kollektivs verdächtigt und schikaniert werden. Die US-amerikanische Regierung meinte, dass jemand mit japanischen Großeltern gewissermaßen von Natur aus gar nicht anders könne, als (zumindest heimlich) dem japanischen Expansionismus im Pazifik-Raum die Daumen zu drücken und deswegen auch zu Sabotageakten o.ä. aufgelegt sein dürfte. Auf der anderen Seite meinten die Führungen einiger realsozialistischer Länder, dass Angehörige des Judentums als eben solche gar nicht anders könnten, als dem regionalen Verbündeten der feindlichen Weltmacht in Nahost, Israel, die Treue zu halten, also Parteigänger eines Feinds des realsozialistischen Lagers zu sein und womöglich zu dementsprechenden Taten aufgelegt zu sein … Dieser Blick auf Großkollektive ist für Staatsgewalten also alles andere als untypisch.

  19. andrej schreibt am 18. Dezember 2010 um 22:35

    Oh mein Gott…Haben Sie schon Medaillen für Haarspalterei gewonnen?
    Nicht “die” Japaner lass ich ja noch durchgehen…aber
    “von Teilen der japanischen Luftwaffe ins Werk gesetzt”? Von Teilen also…
    Wo waren die anderen Teile der japanischen Luftwaffe denn (mal abgesehen davon, dass es die japanische Marine war…)? Auf ‘nem Ostermarsch?

  20. Thilo Schmidt schreibt am 18. Dezember 2010 um 22:48

    Mir ging es nur darum, dass es sich bei dem Bombardement um eine Handlung des japanischen Staates handelte und nicht um eine Gemeinschaftsaktion aller japanischstämmigen Erdenbewohner … Aber Sie haben natürlich recht, wir sollten die Debatte auf die entscheidenden Punkte beschränken.

  21. andrej schreibt am 19. Dezember 2010 um 01:36

    Fangen wir mal mit jemandem an, über den wir uns nicht streiten brauchen: Lenin, eindeutig ein Linker:

    „Statt der von Marx empfohlenen Produktion durch Arbeitergenossenschaften nahm sich Lenin den Staatskapitalismus der deutschen Kriegswirtschaft zum Muster und nannte — in seiner Schrift “Staat und Revolution” — als Vorbild für den idealen sozialistischen Betrieb die Deutsche Reichspost. „

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46196327.html

    Die deutsche Wirtschaft des WK I also als Vorbild für die Kommunisten in Russland, und dann:

    „Adolf Hitlers geheime Denkschrift vom August 1936 zum “Vierjahresplan” umriss programmatisch das Ziel, Wirtschaft und Armee innerhalb von vier Jahren in Kriegsbereitschaft zu versetzen. Unter der Leitung des Beauftragten für den Vierjahresplan, Hermann Göring, wurde die private Wirtschaft gezwungen, sich den Erfordernissen anzupassen. Staat und Partei griffen durch verordnete Programme dirigierend in den Produktionsprozess ein“

    Ein Vierjahresplan? Sollte da die sowjetische Wirtschaft als Vorbild für die Nazis gedient haben? Gab es dann auch so was wie die Staatsbetriebe in der SU?
    „Mit der Bildung der Reichswerke “Hermann Göring” besaß der Staat Betriebe der Schwerindustrie, und auch die Schutzstaffel (SS) verfügte über eigene Unternehmen.“

    „Am 13. Mai 1938 erfolgt in Linz-St. Peter der Spatenstich für die Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten “Hermann Göring” als Tochtergesellschaft der 1937 in Berlin gegründeten Reichswerke. […]
    Im März 1939 verkauft die Vereinigte Stahlwerke AG in Düsseldorf unter starkem politischen Druck 56 Prozent des Aktienkapitals der Österreichisch-Alpine Montangesellschaft an die Reichswerke Hermann Göring „
    http://www.voestalpine.com/group/de/konzern/historie/1938-1945.html
    Starker politischer Druck, damit ein Betrieb an den Staat geht? Kommt Ihnen das aus der
    kommunistischen Welt bekannt vor?

    „Die Reichswerke Hermann Göring waren neben der I.G. Farben und der Vereinigte Stahlwerke AG der größte deutsche Konzern im Dritten Reich. […]
    Die Hermann-Göring-Werke waren ein Staatskonzern, denn 90 Prozent der Stammaktien hielt das Reich, vertreten durch das Reichswirtschaftsministerium. Für die klassischen Ruhrindustriellen war dieser Konzern eine wirtschaftliche Konkurrenz, deren Gründung sie bekämpften. „
    http://de.wikipedia.org/wiki/Reichswerke_Hermann_G%C3%B6ring

    Verstaatlichte Schwerindustrie: Na, wenn das nicht linke Politik ist, dann das hier auch nicht:
    „Die Stamokap-Fraktion (Staatsmonopolistischer Kapitalismus) war stark marxistisch geprägt. Sie lehnten den reformistischen Ansatz fundamental ab und forderten eine Verstaatlichung der Schlüsselindustrien „
    http://www.jusos-birkenfeld.de/jusosimkreisbirkenfeld/jusogeschichte/index.html

    Und wo wir schon bei Verstaatlichungen sind:
    Heute: „Beim politischen Aschermittwoch forderte der Fraktionschef der Linken, alle großen Banken zu verstaatlichen. „
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,609851,00.html
    Damals:
    „Das nationalsozialistische Regime hat die privaten Banken nicht verstaatlicht, wie viele Anhänger erwarteten und einige Banker befürchteten, sondern hat mit dem Kreditwesengesetz von 1934 die differenzierte Bankenlandschaft mit privaten Banken, öffentlichen Banken, insbesondere den kommunalen Sparkassen, und Genossenschaftsbanken bestätigt. Allerdings wurde das Bankwesen einer strikten Regulierung und Kontrolle durch das Reich und die Reichsbank unterworfen. „
    http://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=20382

    „Das KWG unterstellt sämtliche Kreditinstitute und Kreditinstitutsgruppen einer staatlichen Bankenaufsicht „
    http://www.economia48.com/deu/d/kreditwesengesetz-kwg/kreditwesengesetz-kwg.htm
    Staatliche Aufsicht, der Traum jedes Kapitalisten…

    Bleibt die Frage: Warum nur haben „viele Anhänger erwartet“, dass die Nazis Banken verstaatlichen? Das dürfen Sie beantworten…

  22. andrej schreibt am 19. Dezember 2010 um 02:18

    Aber ich bin ja nett, und helfe Ihnen ein wenig.
    Niemand wird anzweifeln, dass Goebbels ein Nazi war. Ganz weit rechts aussen also. Und was dachte der spätere Propagandaminister so:
    “”Sozial oder sozialistisch, für uns ist die Wahl nicht schwer”, schrieb der junge Nationalsozialist 1925: “Lieber mit dem Bolschewismus den Untergang, als mit dem Kapitalismus ewige Sklaverei.” Den “kleinen Bourgeois Adolf Hitler” hätte er am liebsten aus der Partei ausgeschlossen.”
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13520509.html
    Und ein bisschen früher:
    “Er las Karl Marx’ „Kapital“ und war von dessen Schilderung der Arbeitsverhältnisse in England beeindruckt. Nach Dostojewskij-Lektüre schwärmte er für das „heilige Russland“. Und schrieb Passagen wie: „Der Kommunismus. Judentum. Ich bin deutscher Kommunist.”
    http://www.profil.at/articles/1045/560/281723/joseph-goebbels-der-fanatiker
    Tja, was soll man daraus schliessen?

  23. Thilo Schmidt schreibt am 19. Dezember 2010 um 18:13

    @andrej

    Zu Ihrem vorletzten Kommentar: Ihre Ausführungen zur Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten sind gerade KEIN Argument dafür, dass das Dritte Reich ein sozialistischer Staat gewesen wäre. Im Einzelnen:

    1. DASS die Nazis einen Vierjahresplan aufgestellt hatten, heißt nicht, dass sie die kapitalistische Konkurrenz von Privatunternehmen aufgehoben hätten: In Ihrem Zitat steht ja, dass die Privatwirtschaft gezwungen wurde, den staatlichen Vorgaben Folge zu leisten; mit anderen Worten: Es gab kapitalistische Unternehmen, das Privateigentum an Produktionsmittel war gerade nicht aufgehoben worden, die Wirtschaft war immer noch etwas, was getrennt vom Staat existierte. Das war in der Sowjetunion alles nicht der Fall: Dort wurde in einem Vierjahresplan festgelegt, welche Leistungen die diversen Staatsbetriebe zu erbringen hatten; und diese Staatsbetriebe waren in ihrer Gesamtheit die Sowejetökonomie! Es gab in der UdSSR keine neben den Staatsbetrieben stehenden, kapitalistisch wirtschaftenden Privatunternehmen.

    2. DASS es in einem Land Staatsbetriebe gibt, ist kein Argument dafür, dass dieses Land nicht kapitalistisch wäre. Oder wollen Sie im Ernst behaupten, dass die schiere Existenz von Deutscher Bundespost und Deutscher Bundesbahn DER Beleg dafür sei, dass es sich bei der alten BRD um ein sozialistisches Gemeinwesen gehandelt hätte? - Stellen Sie Sich doch lieber mal die Frage, warum Staaten, die eine kapitalistische Gesellschaft betreuen, sich in besonderen Fällen nicht auf die Konkurrenz der Privaten verlassen, sondern lieber selbst tätig werden und gewisse Güter / Dienstleistungen bereitstellen … Hierzu nur in aller Kürze: Gewisse Güter können von Privaten nicht produziert werden, weil sie eine Kapitalgröße erfordern, die von diesen nicht erbracht werden kann; und bevor ein Staat wie die damalige BRD auf ein funktionales, flächendeckendes Eisenbahnnetz, also eine der infrastrukturellen Grundvoraussetzungen einer kapitalistischen Wirtschaft, verzichtet, wird er lieber selbst tätig. Des Weiteren gibt es - wir reden hier schließlich von STAATEN - strategische Gesichtspunkte, die einen Staat dazu bewegen, eigene Betriebe zu schaffen. - Die NS-Kriegswirtschaft ist dafür ein gutes Beispiel: Wie Sie wissen war der Großdeutsche Eroberungsfeldzug nicht irgendein Projekt der Nazis, sondern DAS Großprojekt des Dritten Reiches. - Und da haben Hitler und Konsorten offensichtlich nicht den Standpunkt vertreten, dass ihre Rolle als souveräne Machthaber doch darin bestünde, die Wirtschaft in Ruhe zu lassen und ängstlich zu hoffen, dass die Konkurrenz der Privaten die kriegsnotwendigen Leistungen am Ende schon irgendwie erbringen würde … Und im Übrigen haben die Nazis ja noch nicht einmal in der Schwerindustrie die kapitalistische Konkurrenz aufgehoben: Das Gegenteil war der Fall, und steht sogar in dem von Ihnen aufgeführten Zitat: Die Großindustriellen haben durch den neuen Staatsbetrieb einen unliebsamen Konkurrenten bekommen! - Anstatt also den Kampf um Profit aufzuheben und nach Plan zu wirtschaften, haben die Nazis mit ihrem staatseigenen Großbetrieb der Konkurrenz der Privaten erst so richtig Beine gemacht … Und das soll Sozialismus sein? Zudem wissen Sie doch auch, dass es reihenweise Unternehmen im Dritten Reich gegeben hat, die gerade im Rahmen der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft wunderbar verdient haben. - Der vor zehn Jahren geschaffene Fonds zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter war zur Hälfte von Unternehmen gefüllt worden, die im Dritten Reich mit dem Einsatz von nun wirklich unschlagbar billigen Arbeitskräften, ganz ohne sozialstaatliche oder gewerkschaftliche “Gängelung” dicke Profite erwirtschaftet hatten …

    Also: Die Nazis haben mit den Hermann-Göring-Werken schlicht und ergreifend eine Ausnahme von einer Regel geschaffen, deren Geltung sie
    sie nie in Frage gestellt, sondern im Gegenteil mit ihrer Staatsgewalt aufrecht erhalten und garantiert haben. - Das ist alles.

    3. Dass kapitalistische Unternehmen über staatlliche Aufsicht nicht jubeln, ist bekannt. Dass dieselben Unternehmen ohne staatliche Betreuung auch nur einen Fuß vor den anderen bekämen, ist allerdings ein Märchen. Ich will hier gar nicht von den ganzen notwendigen Voraussetzungen sprechen, die das Kapital benötigt, aber nicht zu erbringen vermag, sondern lieber gleich auf den zentralen Punkt kommen: Der Staat sorgt mit den Mitteln, über die er als Gewaltmonopolist verfügt, dafür, dass das Rechtsinstitut des Privateigentums Bestand hat. - Und das ist DIE Voraussetzung der ganzen kapitalistischen Produktionsweise … Ansonsten können Sie Sich natürlich auch einmal den Spaß machen und überlegen, wo überall kapitalistische Unternehmen auf Leistungen der Staatsmacht angewiesen sind … Wenn DIHT- und BDI-Chefs “weniger Staat” fordern, meinen sie bestimmt nicht, dass sie keine an staatlichen Schulen und Universitäten ausgebildeten Arbeitskräfte mehr haben wollen, oder dass deutsche Außenpolitiker endlich einmal aufhören sollten, der deutschen Exportindustrie Märkte zu öffnen … Manche Leute wollen eben Pizza aber nicht diesen widerlich trockenen Rand.

    4. Anhänger der Nazis hatten also auf eine Verstaatlichung des Bankwesens gehofft; und das halten Sie für einen Umstand, der mich in gehörige Erklärungsnöte bringen müsste. - Auch hier gilt wieder: Sie belassen es bei Andeutungen und langsam beschleicht mich der Verdacht, dass Sie das tun, weil Sie einerseits nicht gewillt sind, den ja auch wirklich nicht sehr vorzeigbaren Schluss selbst zu ziehen (den Schluss nämlich, dass brave deutsche Bürger, die in der Folge des Schwarzen Freitags doch tatsächlich ausgerechnet das Vertrauen in in das private Bankwesen verloren hatten, eigentlich unter sowjetischen Verhältnissen leben wollten …), andererseits aber auch nicht von Ihrer fixen Idee lassen wollen, dass der Nationalsozialismus ein nicht-bürgerliches, anti-kapitalistisches oder sonstwie sozialistisches Gemeinwesen gewesen sei.

    Wie gesagt: Geben Sie mal Butter bei die Fische, werden Sie explizit und versuchen Sie vor allem mal auf die grundsätzliche politisch-ökonomische Ebene zu kommen und nicht immer nur mit irgendwelchen mehr oder weniger banalen Einzelsachverhalten aufzuwarten.

    Zu Ihrem letzten Kommentar:
    Hier fallen Sie eindeutig hinter alles zurück, was hier bisher besprochen worden ist: Goebbels hatte also Neunzehnhundertkeks Sympathien für den Kommunismus und hielt Hitler für ein bourgeoises Bürschchen … Ich hoffe, dass ich Ihnen nichts Neues verrate, wenn ich Ihnen sage, dass der Mann nicht dabei geblieben ist: Den Kommunismus wollte er in späteren Jahren mit Stumpf und Stiel ausrotten und seinen Führer hat er auch noch zu lieben gelernt …

    Da war sogar Ihr mit bedeutungsschwangeren Geigenklängen unterlegter Hinweis auf Mussolinis sozialistische Vergangenheit, wenn auch nicht besser (geschweige denn überzeugender), so doch zumindest weniger läppisch: DER Mann war immerhin Chefredakteur des Avanti und Funktionär des PSI gewesen, und hat nicht nur sein Tagebuch vollgemacht …

    “Tja, was soll man daraus schließen?” - Wenn Ihnen dazu etwas einfällt, dann sagen sie es einfach! Ich kann mich hier nur wiederholen: WERDEN SIE EXPLIZIT! - Das ist nicht so schwer …

    Und wenn Sie darauf schon keine Lust haben, dann verraten Sie mir doch bitte wenigstens, warum Sie meine Kritik an Ihrer insinuierenden Parallelenzieherei nicht überzeugt hat.

  24. andrej schreibt am 19. Dezember 2010 um 19:13

    Doch, Herr Schmidt, ich räume gern ein, “dass brave deutsche Bürger, die in der Folge des Schwarzen Freitags doch tatsächlich ausgerechnet das Vertrauen in in das private Bankwesen verloren hatten, eigentlich unter sowjetischen Verhältnissen leben wollten …
    Einige wollten sogar IN der SU leben. 2 oder 3 haben das soga überlebt. Viele allerdings nicht:
    Siehe “Wie Stalin deutsche Kommunisten verfolgte”
    http://www.wsws.org/de/2002/mar2002/stal-m01.shtml

    Ich nehme an, da Stalin, wie Goebbels, soviele brave Kommunisten metzelte, war er auch, wie Goebbels, ins Fleich gefärbter Anzikommunist?

    Und noch ne Frage: Nach Marx bestimmt doch das Sein das Bewusstsein, oder?
    Welches Bewusstsein sollte Hitler dann eigentlich entwickeln, nach einer Karriere als Asozialer in Wien, Rumtreiber in München, einer beeindruckenden Militärkarriere vom Gefreiten bis zum Gefreiten, und Mittellosigkeit nach dem Krieg?

    Schauen wir mal, was Jung Gröfaz daraus ableitete:
    “11. Abschaffung des Arbeits- und mühelosen Einkommens, Brechung der Zinsknechtschaft.

    12. Im Hinblick auf die ungeheuren Opfer an Gut und Blut, die jeder Krieg vom Volke fordert, muß die persönliche Bereicherung durch den Krieg als Verbrechen am Volke bezeichnet werden: Wir fordern daher restlose Einziehung aller Kriegsgewinne.

    13. Wir fordern die Verstaatlichung aller (bisher) bereits vergesellschafteten (Trusts) Betriebe.

    14. Wir fordern Gewinnbeteiligung an Großbetrieben.

    15. Wir fordern einen großzügigen Ausbau der Altersversorgung.

    16. Wir fordern die Schaffung eines gesunden Mittelstandes und seine Erhaltung, sofortige Kommunalisierung der Groß-Warenhäuser und ihre Vermietung zu billigen Preisen an kleine Gewerbetreibende, schärfste Berücksichtigung aller kleinen Gewerbetreibenden bei Lieferung an den Staat, die Länder oder Gemeinden.

    17. Wir fordern eine unseren nationalen Bedürfnissen angepaßte Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke. Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung jeder Bodenspekulation.

    18. Wir fordern den Rücksichtslosen Kampf gegen diejenigen, die durch ihre Tätigkeit das Gemeininteresse schädigen. Gemeine Volksverbrecher, Wucherer, Schieber usw. sind mit dem Tode zu bestrafen, ohne Rücksichtnahme auf Konfession und Rasse.[...]

    20. Um jedem fähigen und fleißigen Deutschen das Erreichen höherer Bildung und damit das Einrücken in führende Stellung zu ermöglichen, hat der Staat für einen gründlichen Ausbau unseres gesamten Volksbildungswesens Sorge zu tragen.”
    http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/nsdap25/index.html

    Verstaatlichung, Bodenreform, Bildung für Alle, klingt ja wie bei Chavez:

    “Besonders kritisiert wurde von Oppositionellen die Verstaatlichung der Ölindustrie, die Beschränkung der Autonomie der Zentralbank, die Entmachtung der Regionen sowie eine Bildungs- und die Bodenreform.”
    http://derstandard.at/1285199106867/Nachlese-Opposition-versucht-es-geeint-gegen-Hugo-Chavez

    Aber vlt. ist Chavez ja ein Rechtsextremer…

  25. andrej schreibt am 19. Dezember 2010 um 19:51

    Übrigens, Herr Schmidt,
    angesichts der folgenden Zahlen:
    “Nach Berechnung von Josef Stalins Oberkommando (”Stawka”) stehen einer Million gefallenen und über 3 Millionen in Kriegsgefangenschaft geratenen Soldaten 16 Millionen Sowjetbürger im waffenfähigen Alter gegenüber. 1942 soll die Truppe auf 9 Millionen Mann in 400 Divisionen aufgestockt werden*”
    kann ich Ihren Satz von der “feindlichen Weltmacht in Nahost” in Bezug auf
    Israel bestenfalls als lächerlich bezeichnen.
    Auch wenn Sie was anderes “insinuieren” wollen, der Ostblock war durch Israel `67 ungefähr so bedroht wie ein kapitaler Hecht durch einen Stichling.

    *http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39834859.html

  26. Thilo Schmidt schreibt am 19. Dezember 2010 um 20:11

    @andrej

    Wenn Sie wissen wollen, worauf es den Nazis ankam, haben Sie es recht bequem: Die haben Deutschland immerhin über 12 Jahre lang regiert, da wird sich doch wohl noch ermitteln lassen, was sie gewollt haben … Ein Parteiprogramm von 1920 ist im Vergleich dazu doch ein bisschen matt.

    Ansonsten glaube ich langsam verstanden zu haben, wie Ihr Leib- und Magengedanke geht: “Adolf Hitler wollte etwas (z.B. Bildung für jeden leistungsbereiten, begabten Bürger), irgendein echter oder vermeintlicher Sozialist wollte das Gleiche, also sind Faschismus und Sozialismus dasselbe. Dass buchstäblich JEDER demokratische Bildungspolitiker ebenfalls haargenau dasselbe will, interessiert mich hingegen überhaupt nicht, weil ich den ja nicht in das Kollektiv der verdammungswürdigen Menschheitsfeinde / Linken eingemeinden will.”

    Habe ich es einigermaßen getroffen? - Wenn ja, dann können wir es auch mal wieder gut sein lassen…

  27. Thilo Schmidt schreibt am 19. Dezember 2010 um 20:32

    @andrej

    Wg. Israel: Sie haben mich missverstanden: Es habe nicht von einer “Weltmacht in Nahost” gesprochen, sondern vom “Verbündeten (also Israel) einer feindlichen Weltmacht (hier ist die Rede von den USA) in Nahost”.

    Des Weiteren ging es im Text nicht um die Bedrohung des Ostblocks durch Israel, sondern um die feindliche Stellung Israels und der sowjetischen Verbündeten im Nahen Osten zueinander.

  28. andrej schreibt am 19. Dezember 2010 um 20:36

    Falsch, Herr Schmidt. Lesen wir mal genauer, was der Gröfaz gelehrt wissen wollte:
    “Das Erfassen des Staatsgedankens muß bereits mit dem Beginn des Verständnisses durch die Schule (Staatsbürgerkunde) erzielt werden.”
    Naja, also im Westen, soviel zu “JEDER demokratische Bildungspolitiker”,
    gab es keine “Staatsbürgerkunde” in der Schule…

  29. Thilo Schmidt schreibt am 19. Dezember 2010 um 20:52

    @andrej

    Tun Sie mir die Liebe und beziehen Sie Sich doch einmal auf die unübersehbar als entscheidend gekennzeichneten Punkte - Kommentar 26 ist der Punkt, der geklärt werden muss, bevor wir hier irgendwie weiterkommen.

    Zu Ihrem letzten Kommentar: Oben ging es um Chancengleichheit im Bildungswesen - und die bejaht meines Wissens jeder demokratische deutsche Politiker - wenn nicht, beweisen Sie mir das Gegenteil, - wenn Sie jetzt plötzlich meinen, auf die Staatsbürgerkunde abheben zu müssen, kann ich da nichts für.

    Im Übrigen gibt es dergleichen sehr wohl im demokratischen Deutschland, das heißt nur anders (Sozialkunde, Politik / Wirtschaft, Sozialwissenschaften …) - Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich spreche …

  30. andrej schreibt am 19. Dezember 2010 um 21:16

    Gut:
    Als Hitler seine 25 Punkte veröffentlichte, war ein Sozialdemokrat Präsident, ein Sozialdemokrat Kanzler, und die Regierung bestand aus einer Koalition von SPD, Linksliberalen und Zentrum. Die sogenannte Weimarer Koalition.
    Entweder waren das dann wohl alles keine Demokraten, oder Hitler wollte irgendwie insbesondere die SPD in der Bildungspolitik links überholen…

    Sozialkunde=Staatsbürgerkunde…schon klar. Ich war ja auch mal in der Schule. Unsere Sozialkundelehrer hatten das Ziel, uns den Westen möglichst madig zu machen. Ob der Staatsbürgerkundelehrer auch den Osten kritisch sah, da hab ich Zweifel. Ausserdem hatte ich im Studium im Westen irgendwie das Pendant zum Marxismimus-Leninismus-Pflichtfachs vermisst…

  31. Thilo Schmidt schreibt am 19. Dezember 2010 um 21:39

    @andrej

    Sie müssen mal etwas GANZ Grundsätzliches auf die Kette bekommen:

    Faschismus, Kommunismus, Demokratie & Marktwirtschaft - drei Systeme politischer Herrschaft; es gibt Differenzen und Identitäten. - Das schale Vergnügen, welches Sie Sich gönnen, besteht darin, dass Sie einfach irgendein Trumm gesellschaftlicher Wirklichkeit nehmen und meinen von ihm aus auf eine generelle Identität (im Falle von Faschismus und Sozialismus) bzw. auf eine generelle Differenz (Demokratie und Marktwirtschaft vs. die beiden anderen)schließen zu können. - Das haut im Leben nicht hin.

    Bevor der Witz unter geht, plaudere ich mal die Pointe aus: Der Witz an “Bildung für alle” besteht darin, dass weit und breit KEINE SAU das Gegenteil will … Wenn Sie glauben, DARAN politische Lager auseinanderdividieren zu können, ist Ihnen nicht zu helfen.

  32. andrej schreibt am 20. Dezember 2010 um 00:13

    Was Ihnen, aus welchen Gründen auch immer, entgangen ist:
    Heute schreiben wir nicht 1920. Damals war Bildung für alle nun ganz und gar nicht selbstverständliche Forderung aller, sonst hätte Hitler es kaum propagiert. In ein Programm aus lediglich 25 Punkten nimmt niemand Binsenweisheiten auf.
    Wie sah es damals nämlich aus:
    “Man macht sich heute nicht mehr klar, daß die Elementarausbildung der Kinder des Bürgertums noch im Kaiserreich von Hauslehrern, Privatschulen oder (dem höheren Schulwesen angegliederten) Vorschulen geleistet wurde.”
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13470554.html
    Der riesige Rest lernte gerade mal lesen, schreiben, rechnen. Und das war es. Und es war nicht im Mindesten selbstverständlich für jeden, dass
    das vlt. ein bisschen wenig sein könnte, im Gegenteil:
    “Als einzige Partei übte die Sozialdemokratie grundsätzliche Kritik
    am bestehenden Schulwesen aus der Perspektive der von höherer
    Bildung so gut wie ausgeschlossenen Arbeiterschaft.”
    https://ssl.bmj.de/files/-/4284/Tagungsband_Weimar.pdf
    In Weimar sollte das anders werden, aber:
    “Umstrittener Punkt ist u. a. die Grundschulnovelle, worin die allgemeine vierjährige Grundschule vorgeschlagen wird. Nach Besuch dieser für alle Kinder verbindlichen Einrichtung kann entschieden werden, ob die fünfjährige weiterführende Schule zur mittleren Reife oder die achtjährige bis zur Hochschulreife gewählt wird. Gegner der Grundschule sind vor allem die deutschnationale (DNVP) und die deutschvölkische (DVP) Partei. Sie plädieren für ein Weiterbestehen der alten Volksschule neben den anderen Einrichtungen (Gymnasium; Oberrealschule, seit 1890; Realgymnasium, seit 1900).”
    http://www.chroniknet.de/indx_de.0.html?article=1248&year=1925
    Das war 1925, und die Rechtsparteien wie die DNVP waren offenbar mit dem Bildungssystem, wie es im Kaiserreich war (s.o), glücklich. Die begüterten auf die höheren Schulen, der Rest auf die Volksschule:
    “Im Unterschied zur Kritik der Linken, die auf weitergehende Reformen
    zielte, richtete sich die der Rechten – vor allem der Deutschnationalen,
    des Philologenverbandes und konservativer Elternvereinigungen
    – gegen die Beseitigung privater Vorschulen, die
    4jährige Dauer der Grundschule wie auch deren Verbindlichkeit
    für alle Kinder, wobei von „Kinderzwangszuchthaus“ gesprochen
    wurde. „Das Interesse der konservativen Opposition bestand darin,
    Ansprüche auf Privilegien als Freiheitsrechte des einzelnen
    gegen den Staat auszugeben.“”
    https://ssl.bmj.de/files/-/4284/Tagungsband_Weimar.pdf
    Und das hatte nun gar nichts mit “Bildung für alle” zu tun.
    “Bildung für alle” war damals eine unzweifelhaft linke Forderung!

    Aber Sie können es ja mal mit den Verstaatlichungs- oder Bodenreformforderungen versuchen, vielleicht klappt es da ja besser damit,
    “dass weit und breit KEINE SAU das Gegenteil will”.

  33. Thilo Schmidt schreibt am 21. Dezember 2010 um 18:52

    Ich mache Ihnen mal einen Vorschlag: Würden Sie mir zustimmen, dass es bei politischen Forderungen und Maßnahmen WESENTLICH darauf ankommt, welchem Zweck sie dienen? - So kann man zum Beispiel die nationale Infrastruktur ausbauen, um die Wirtschaft zu befördern, man kann dieselbe Maßnahme allerdings auch ergreifen, um Militärtransporte zu erleichtern und zu beschleunigen.

    Mit anderen Worten: Es wäre ein bisschen arg kurz gedacht, wenn man nach der Feststellung, dass A eine Maßnahme befürwortet, die B ebenfalls befürwortet, sich zufrieden die Hände reiben und die Angelegenheit für geklärt halten würde. - Die wirklich interessante Frage ist nämlich noch offen: WAS bezweckt A mit dieser Maßnahme, was bezweckt B mit ihr.

    Und was die Bildungspolitik der Nazis anbelangt: Würden Sie mir zustimmen, dass es deren zentrales Anliegen war, die Potenzen, die DER Rohstoff der nationalsozialistischen Politik überhaupt, nämlich das Deutsche Volk, in sich barg, optimal zu entfalten und der uneingeschränkten Benutzung durch die Staatsmacht zuzuführen? Die Nazis hatten sich für die Zeit nach ihrer Machtübernahme bekanntlich recht ehrgeizige Ziele gesetzt. - Denen sollten sämtliche Abteilungen der Bevölkerung optimal dienstbar gemacht werden.

    Der Gegensatz zwischen Konservativen und Nationalsozialisten auf dem Felde der Bildungspolitik bestand also darin, dass die ersten auf dem Standpunkt standen, dass der proletarische Pöbel höhere Bildung weder brauche noch verdiene, währende letztere in diesem generellen Ausschluss der Angehörigen der unteren Stände von höherer Bildung eine unhinnehmbare Ressourcenvergeudung sahen. - Und dass, wo Deutschland angesichts seines bevorstehenden “Schicksalskampfes” doch alle Potenzen nutzen und alle verfügbaren Kräfte vereinen musste!

    Insofern waren die bildungspolitischen Forderungen der Nazis vielleicht ein Grund mehr für die konservative Elite, über diese neue Massenbewegung die Nase zu rümpfen. - Aber zu einem generellen Zerwürfnis ist es darüber nicht gekommen, schließlich war man sich im KERNANLIEGEN einig: Der Bruch mit Versailles, die Bestrafung der “Novemberverbrecher”, der Wiederaufstieg Deutschlands zur Großmacht.

    Angesichts SOLCHER Gemeinsamkeiten haben es dann nicht wenige Konservative geschafft, sich mit der Vorstellung abzufinden, dass in Einzelfällen (natürlich nur im Falle ausreichender Begabung - “Gleichmacherei im Bildungswesen” wollten auch die Nazis nicht) auch mal ein Arbeiterkind auf das Gymnasium geht …

    Um mal auf die grundsätzliche Ebene zu kommen: “Sozialismus” hieß für die Nationalsozialisten folgendes: Jeder deutsche Volksgenosse erhält unabhängig von seiner sozialen Stellung die Möglichkeit, seine Kräfte ganz in den Dienst an Volksgemeinschaft und Staat zu stellen (womit natürlich auch der ANSPRUCH definiert ist, den die Nazis an ihre Deutschen stellten); sein Lohn für in diesem Dienst erwiesene Leistungs- und Aufopferungsbereitschaft sollte in der Sicherstellung eines bescheidenen Auskommens und sehr viel Ehre bestehen: Für brave Knechte, die ihren Dienst tun, auch wenn sie von dem nicht allzu viel haben, und die mächtig stolz darauf sind, sich für Volk und Vaterland aufzuopfern, hatten die Nazis extrem viel übrig: Diese patriotische Aufopferungsbereitschaft galt ihnen als die “idealistische Geinnung des Ariers”.

    Damit standen die Nazis einerseits zwar durchaus polemisch gegen das in konservativen Kreisen recht verbreitete Standesdenken und die dazu gehörige Verachtung für die Angehörigen der niederen Stände. Angst gemacht haben die Nazis ihren konservativen Konkurrenten und zeitweiligen Verbündeten damit aber auch wieder nicht. Und warum auch? - Wenn “Sozialismus” für die Nazis hieß, dass man die Ressource Volk so herrichtet, dass sie optimal als Werkzeug für ein äußerst ehrgeiziges Programm zum nationalen Wiederaufstieg zu benutzen ist, warum hätten sich konservative Politiker, die den Zweck dieses Programms teilten, vor diesen etwas ruppig auftretenden Patrioten fürchten sollen?

  34. andrej schreibt am 22. Dezember 2010 um 11:52

    N, dann schauen wir mal Herr Schmidt:
    Im NS-Staat diente die Schule folgendem Zweck:
    a) Vorbereitung auf und Vorbildung für das Militär
    b) Formung linientreuen Nachwuchses

    Wie anders dagegen im Sozialismus, z.B. im real existierenden!!!
    Hier war stattdessen natürlich die freie Entfaltung der Persönlichkeit, die Entwicklung aller geistigen Potenziale, ob musischer, sozialer, oder wissenschaftlicher Natur, das oberste Erziehungsziel.
    Eindrucksvoll dokumentiert durch dieses Foto, auf dem sehr junge Künstler
    einer DDR-Schule bei der Vorführung einer Formationstanz-Nummer aus
    einem selbstgeschriebenen Musical zu sehen sind. Die Kostüme wurden nach eigegenen Entwürfen der Schüler selbstgeschneidert, Inhalt und Rollenverteilung des Stückes wurden von den Schülern frei in
    basisdemokratischen Abstimmung festgelegt:
    http://www.nva-fahrzeuge.de/images/a4_1.jpg

  35. Thilo Schmidt schreibt am 22. Dezember 2010 um 13:58

    @ andrej

    Ist das Ihr Ernst? - Ich stelle eine Erklärung dafür zur Debatte, was die Nazis eigentich unter “Sozialismus” verstanden und Sie zeigen mir ein Foto? - Wie wäre es, wenn Sie mal auf das Wesentliche zu sprechen kämen?

  36. andrej schreibt am 22. Dezember 2010 um 15:29

    Warum fragen Sie immer mich? Fragen Sie doch mal diejenigen, die sowohl Nazis als auch Sozialisten waren, die sollten es ja am besten wissen. Beispiele gibt es ja mehr als genug, z.B. diesen Herren, Alt-Nazi und Kommunist. Oder fragen Sie seine gewogenen Nachrufschreiber
    von der DKP:
    http://www.dkp-online.de/uz/3638/s1301.htm
    Interessante Biographie, was? Nazi, dann Kommunist, beim Hitler-Stalin-Pakt
    wieder Nazi, dann wieder Kommunist…

    Oder die im Folgenden genannten Herren:
    “NS-Briefe. Gregor und Otto verlegten das Schwergewicht ihrer Parteiarbeit nach Norddeutschland und ins Ruhrgebiet. Um den sozialistischen Kurs (Forderung: Sozialisierung der Grundstoffindustrien. Kohle, Energie, Verkehr; durch Bedingungen eingeschränkte Unternehmerinitiative in der Wirtschaftsführung; Zentralstellung der Reichsbank) besser und energischer verfechten zu können, gründeten die Brüder Strasser im Herbst 1925 die “NS-Briefe” und im März 1926 den “Kampf-Verlag” Goebbels, bis dahin Sekretär Gregors, wurde Redakteur der Briefe. Hitler gründete als Gegenschlag SA und SS.
    Goebbels und Himmler gingen allmählich zu den stärkeren Bataillonen Hitlers über. Alle norddeutschen und westdeutschen Gauleiter (Kaufmann, Koch, Stöhr, Schapke, Franzen und Wagner) standen bis auf den Hitler-treuen Robert Ley zu den Sozialisten der NSDAP, die - im Gegensatz zu Hitler - für die Enteignung der Fürsten und für die Unterstützung der streikenden sächsischen Industriearbeiter stimmten.”
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44438102.html

    Oder den, der lebt noch:
    “Einst war er eine Ikone der 68er und Rudi Dutschkes Mitstreiter. Heute flirtet Bernd Rabehl heftig mit den Rechten und gibt der NPD-Presse Interviews.”
    “In einem Interview mit der NPD-Zeitung “Deutsche Stimme” sagt Rabehl, die Deutschen hätten nach dem verlorenen Krieg “durch die Fremdmächte und die westöstliche Umerziehung ihre nationale Identität eingebüßt”.”
    Der meint, interessanterweise:
    “In “letzter Konsequenz”, so Rabehl, sei er sich also bis heute treu geblieben, was früher “als ‘links’ angesehen wurde, gilt heute als ‘rechts’”
    http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,357397,00.html

    Oder den, der kriegt Sozialismus und Faschismus auch zusammen. Nicht nur biografisch:
    “Horst Mahler:
    “Diese Gleichsetzung, wenn Hitler das uns das gesagt hat, dann ist das das Böse, dann dürfen wir darüber nicht nachdenken, ist Teil unseres Verderbens. Wir sind heute als Volk ohne Willen ein Volk zu sein, Einflüssen und Mächten ausgesetzt, die uns letztenendes restlos zerstören weil wir es nicht gelernt haben, oder verlernt haben, diesen Einflüssen durch die Kräfte der Volksgemeinschaft Grenzen zu setzen.”"
    Das ist derselbeMann wie hier:
    “Horst Mahler (1975):
    “Arbeiter, Werktätige, Genossen, kämpft mit der kommunistischen Partei für eine menschliche Gesellschaft, für den Sozialismus. Laßt Euch von der bürgerlichen Hetze nicht einschüchtern. Vorwärts mit der KPD.”"

    Und verwundern muss das nicht, denn folgendes hätte auch Kommunisten begeistert:
    “…die neuen Freunde von der NPD sind begeistert:
    Horst Mahler:
    “Die USA sind deutlich von Dekadenz gezeichnet. Ihre Macht, die Macht des Dollars, hat globale Gestalt angenommen. Sie hat ihre Stützpunkte in den finanziellen Zentren an der Ostküste. Dort sind es nur wenige, nur einige Dutzend Spekulanten, in deren Händen die weltweit geknüpften Fäden zusammenlaufen. Diese Herrschaft ist schieres Schmarotzertum, eine tödliche Gefahr für die Menschheit.”
    Weltherrschaft, Verschwörung, Spekulanten und Schmarotzer: Mahler provoziert mit Begriffen aus der Nazizeit.”

    http://www.rbb-online.de/kontraste/ueber_den_tag_hinaus/extremisten/horst_mahler_vom.html

  37. andrej schreibt am 22. Dezember 2010 um 15:56

    Übrigens, Herr Schmidt:
    Nach Ihren Maßstäben war Lenin - L E N I N- noch weniger Sozialist als der Gröfaz.
    Hitler behielt Privatwirtschaft lediglich bei, Lenin führte Sie, ganz Kapitalist offenbar- doch tatsächlich wieder ein:
    “In der Landwirtschaft wurde die Kollektivierung vorläufig gestoppt, und freie genossenschaftliche Zusammenschlüsse der Bauern erlaubt. Die naturale Ablieferungspflicht wurde durch eine Naturalsteuer ersetzt, die niedriger sein sollte als die bisher abzuliefernden Mengen an landwirtschaftlichen Produkten; die verbleibenden Ernteerträge durften die Bauern für ihren Eigenbedarf verwenden bzw. frei verkaufen. Diese Regelungen galten auch für die Sowchosen und Kolchosen, die sogar aufgelöst werden konnten, sofern sie die neuen Rentabilitätskriterien nicht erfüllten.

    Das hatte zur Konsequenz, dass in der Periode der NÖP die Nahrungsmittelversorgung primär durch individualbäuerliche Betriebe aufrechterhalten wurde.”
    “Im Bereich von Gewerbe und Kleinindustrie jedoch, v. a. der Konsumgüterproduktion, sollten unternehmerisches Engagement und privatwirtschaftliches Erwerbsstreben zugelassen werden.

    Dies ging soweit, dass sogar Betriebe der Kleinindustrie an ihre ehemaligen Eigentümer, soweit solche überhaupt die revolutionären Wirren überlebt hatten resp. nicht emigriert waren, zurückgegeben wurden.”
    http://eeo.uni-klu.ac.at/index.php/Neue_%C3%96konomische_Politik

  38. Thilo Schmidt schreibt am 22. Dezember 2010 um 23:21

    @ andrej
    “Warum fragen Sie immer mich?” - Das frage ich mich inzwischen auch: An einer grundsätzlichen Debatte über die Frage von Identität und Differenz von Faschismus und Sozialismus ist Ihnen offensichtlich nicht gelegen. Stattdessen scheinen Sie eher gewillt zu sein, mich mit Ihrem ewigen Biographiegehubere zu Tode zu langweilen. - Und dazu wurde nun wirklich schon alles gesagt. Ich kann mich hier also lediglich wiederholen: Die Tatsache, dass jemand erst die eine politische Überzeugung hatte, diese dann über Bord warf und sich einer anderen zuwand, taugt im Leben nicht als Beweis dafür, dass diese Überzeugungen dann auch wohl so in etwa identischen Inhalts seien. - Oder sehen Sie das etwa anders?

    Hierzu noch eine weitere Wiederholung: In der Frühphase der BRD - also im System von Demokratie und Marktwirtschaft - war die Mehrheit der Bundestagsmitglieder ehemalige NSDAP-Mitglieder. - Folgt daraus, dass Demokratie und Faschismus eigentlich, mehr oder weniger, dasselbe wären? - Ich würde ja sagen “Nein” … aber wenn Sie konsequent sein wollen …

    Deswegen noch ein weiteres, letztes Mal das Angebot: Wenn Sie mich von Ihrem Standpunkt überzeugen wollen, müssen Sie Sich schon die Mühe machen und auf Kommentar Nr. 33 eingehen. - Wenn Sie Sich hingegen lediglich Ihre schlechte Meinung über den Sozialismus erhalten wollen, habe ich eine freudige Nachricht für Sie: Dafür brauchen Sie meine Hilfe gar nicht! Drücken Sie diese holde Überzeugung einfach ganz fest an Sich und lassen Sie sie nie mehr gehen! Dann können Sie mit Ihrer Zeit auch besseres anstellen, als Sich “Belege” zusammenzugooglen, die sowieso nie den Punkt treffen.

  39. andrej schreibt am 23. Dezember 2010 um 01:56

    Allmählich langweilen Sie mich.
    Nr. 33, nun gut.
    Schmidt:
    ““Sozialismus” hieß für die Nationalsozialisten… sein Lohn für in diesem Dienst erwiesene Leistungs- und Aufopferungsbereitschaft sollte in der Sicherstellung eines bescheidenen Auskommens und sehr viel Ehre bestehen: Für brave Knechte, die ihren Dienst tun, auch wenn sie von dem nicht allzu viel haben, und die mächtig stolz darauf sind, sich für Volk und Vaterland aufzuopfern, hatten die Nazis extrem viel übrig:”
    So weit, so gut. Die Nazis standen auf opferbereite, anspruchlose Knechte.
    Und die braven Sozialisten?
    Zum Vergleich die 1-Mann Boygroup der Weltrevolution, der auf T-Shirts unzählige Wohlstandsbäuche von verbeamteten Möchtegern-Revoluzzern und bestens versorgten revolutionsromantischen Kindern aus gutem Hause ziert, Ernesto “Che” Guevara:
    “Alle und jeder einzelne von uns entrichtet pünktlich seinen Beitrag an Opfern in dem Bewußtsein, belohnt zu werden durch die Befriedigung in der erfüllten Pflicht, mit allen gemeinsam dem neuen Menschen entgegenzusehen, der sich am Horizont abzeichnet.
    Lassen Sie mich einige Schlußfolgerungen ziehen: Wir Sozialisten sind freier, weil wir erfüllter sind; wir sind erfüllter, weil wir freier sind. Das Gerippe unserer vollen Freiheit steht, es fehlt die fleischliche Substanz und die Hülle; wir werden sie schaffen.
    Unsere Freiheit und ihr täglicher Unterhalt haben die Farbe des Blutes und sind voller Opfer.
    Unser Opfer ist bewußt; ein Beitrag, um die Freiheit zu bezahlen, die wir errichten.”
    http://kpp.aksios.de/klassiker/che/co0006.htm
    1xPflicht, 3xOpfer, 1xBlut in 4 Sätzen = neuer Menscher im Sozialismus. Ach ja, 0xLohn o.ä.
    Wo soll da denn der Unterschied sein?

  40. andrej schreibt am 23. Dezember 2010 um 02:04

    Apropos “Neuer Mensch”: Ahnen Sie, wer ausser den Kommunisten den erschaffen wollte???

  41. Thilo Schmidt schreibt am 23. Dezember 2010 um 10:54

    Die Nazis verherrlichten nicht Opferbereitschaft an und für sich - sondern die für einen sehr bestimmten Zweck … DER war es, worauf es ihnen ankam.

  42. andrej schreibt am 23. Dezember 2010 um 13:17

    Na, dann eben Stalin, 24. Mai 45:
    “Ein anderes Volk hätte zu seiner Regierung sagen können: ihr habt
    unsere Erwartungen nicht gerechtfertigt, macht, dass ihr fortkommt, wir werden eine andere Regierung einsetzen, die mit Deutschland Frieden schließt und uns Ruhe sichert.
    Doch das russische Volk hat nicht so gehandelt, denn es glaubte daran, dass die Politik seiner Regierung richtig war, und brachte Opfer, um die Niederwerfung Deutschlands zu gewährleisten.”
    8. Mai 45
    “Die großen Opfer, die wir für die Freiheit und Unabhängigkeit unseres Heimatlandes gebracht haben, die unermesslichen Entbehrungen und Leiden, die unser Volk während des Krieges zu erdulden hatte, die auf dem Altar des Vaterlandes dargebrachte angespannte Arbeit im Hinterland und an der Front sind nicht vergeblich gewesen, sondern durch den vollen Sieg
    über den Feind gekrönt worden.”

  43. Thilo Schmidt schreibt am 24. Dezember 2010 um 20:35

    @ andrej

    Ihre Ausführungen haben einen grundsätzlichen theoretischen Mangel: Sie entdecken am Nationalsozialismus etwas, finden Vergleichbares in sozialistischen Gemeinwesen und wollen das dann als einen Beleg für die wesensmäßige Identität der beiden Systeme verstanden wissen (so klar sagen Sie das zwar nie, aber irgendwie scheint das doch Ihr Punkt zu sein, ansonsten würden Sie diese Masche ja nicht so zu Tode reiten …). - Das machen Sie sehr häufig so, meine Entgegnung darauf war immer, dass es das betreffende Phänomen auch in ganz anderen Zusammenhängen gibt, es also gerade kein Beleg für die Identität der beiden Systeme sein kann; auf diese Hinweise sind Sie bisher allerdings nicht eingegangen. - So auch hier: Dass eine Staatsführung von ihren Untertanen Opfer- und Dienstbereitschaft erwartet und diese auch nach Kräften herbeizuregieren versucht, ist gerade keine Besonderheit von Nationalsozialismus und Sozialismus… - Wo Sie schon das Stalinsche Loblied auf die Opferbereitschaft des russischen Volkes im Zweiten Weltkrieg zitieren: Churchill hat den Bürgern Großbritanniens bekanntlich auch nichts als Blut, Schweiß und Tränen versprochen. - Was ich damit sagen will: JEDE Staatsführung hat etwas mit ihrer Bevölkerung vor, bisweilen (wie im Falle des Dritten Reiches) auch “Großes”, appelliert einerseits an die patriotische Dienst- und Opferbereitschaft und sorgt andererseits mit dem Einsatz ihrer Macht dafür, dass die erwünschten Leistungen von der Bevölkerung auch tatsächlich erbracht werden. - Dies ist ein allgemeiner Charakterzug von politischer Herrschaft und kein Spezifikum eines bestimmten polit. Systems. Mit anderen Worten: Wenn Sie Ihre Einlassung WIRKLICH ernst nehmen würden, dann müssten Sie eigentlich geradewegs zu dem Ergebnis kommen, dass eigentlich sämtliche politischen Systeme “irgendwie” gleich seien …

    Ihnen muss doch selber auffallen, dass ihre obige Entgegnung (Nr. 39) auf meinen Kommentar (Nr. 33) diesen gar nicht trifft, weil sie die Zurückweisung einer Behauptung ist, die ich weder in jenem Kommentar noch sonst irgendwo getätigt habe: Dass sozialistische Staatsführungen von ihren Bevölkerungen KEINE Opferbereitschaft erwartet hätten, steht da schlicht und ergreifend nicht. In meinen Ausführungen zum “Sozialismus” im Nationalsozialismus haben Sie also lediglich die Wörter “Dienst” und “Opfer” entdeckt, mal wieder Ihre Suchmaschine bemüht, um mir dann triumphierend einen Auszug aus der Rede eines Sozialisten zu präsentieren, in dem - Wahnsinn! Wer hätte das für möglich gehalten! - von genau diesen Dingen die Rede ist. - Wie gesagt, Sie können nicht ein von mir vorgebrachtes Argument zurückweisen, indem Sie es absichtlich missverstehen und einfach etwas zu widerlegen versuchen, was ich nicht gesagt habe. - Also, wenn Sie mich von der Richtigkeit Ihrer steilen These überzeugen wollen, dann müssen Sie Sich schon die Mühe machen und auf das, was ich gesagt habe, eingehen. Wir sind also immer noch bei der Nr. 33 …

  44. andrej schreibt am 28. Dezember 2010 um 14:57

    Und die Art und Weise, Herr Schmidt, wie Sie mit Fakten umgehen, hat auch einen entscheidenden Mangel. Aber der ist eher dogmatischer Natur: Es kann eben nicht sein, was nicht sein darf.
    Wenn Hitler und Göring in Uniform rumrannten, dann weil Sie Militaristen waren. Bei Väterchen Stalin und beim ollen Fidel hingegen ist das dagegen wahrscheinlich lediglich Ausdruck einer Verweigerung gegenüber bourgoisen Kleidernormen.
    Wenn Hitler sich Führer nennen liess, dann war das Ausdruck des ultimativen Totalitarismus, wenn Stalin sich Woschd, also auch ‘Führer’, nennen liess, dann war das aber wohl doch nur Ausdruck des tiefen Respektes und der Dankbarkeit, der ihm von der Arbeiterklasse entgegengebracht wurde.
    Last but not least, wie niedlich, Sie zitieren Churchills Blut und Tränen-Rede.
    Meines Wissens vom Mai 1940. Was, bitteschön, sollte C. denn versprechen, in einer Situation, als vom Nordkap bis zur Biskaya die Wehrmacht Europa besetzt hielt, und der Rest, der nicht von der Wehrmacht besetzt war, unter der Knute von Bündnispartnern Hitlers aus alten Tagen, wie Franco, oder aus jüngeren Raubzügen, wie Stalin (s. Besetzung Polens), stand???
    Sollte er den Briten in der Situation die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich versprechen, oder vlt. 30 Tage bezahlten Urlaub?
    “Blut, Schweiß und Tränen”, das war von Churchills Seite, und da ist der Unterschied, keine Glorifizierung des Opfers für irgendeinen Schwachsinn wie “Volksgemeinschaft” oder “Sowjetmacht”, sondern zu dem Zeitpunkt nicht mehr und nicht weniger als eine ganz realistische Lageeinschätzung.

  45. Thilo Schmidt schreibt am 30. Dezember 2010 um 20:13

    Zum Dogmatismusvorwurf: Falls es Ihnen bisher nicht aufgefallen ist, dann sag ich es jetzt noch einmal ganz explizit: Bei unserem Streit geht es nicht um Fakten, sondern um die Frage, wie diese zu beurteilen sind. - Auf dieser Ebene habe ich Ihre Aussagen kritisiert.

    Anders gesagt: Dass sowohl Hitler als auch Stalin Uniform trugen, habe ich nicht abgestritten - an der Stelle führen Sie ein Selbstgespräch, in der irrigen Annahme, dass ich noch Ihr Gegenüber sei -; Ich bin derjenige, der nicht einsieht, dass aus diesen oder ähnlich gearteten Fakten die Schlussfolgerung zu ziehen sein soll, dass der Nationalsozialismus ein linkes Projekt gewesen sei. - Und auch hier wieder der zu erwartende, langweilige Hinweis von meiner Seite: Auch ein Jorge Rafael Videla hat Uniform getragen hat, und es soll ja auch schon demokratische Politiker gegeben haben, die ihre Ansprachen an die Nation in Uniform gehalten haben. - Oder sind das etwa Fakten, die Sie nicht zur Kenntnis nehmen wollen?

    Was die blood, sweat and tears Rede anbelangt, so haben Sie meinen Punkt verpasst: Ein demokratischer Politiker appelliert an die patriotische Opferbereitschaft seines Volkes. Dass Ihnen Churchills Kriegsziele sympathischer sind als die der Gegenseite, ändert daran nichts.

    Um das ganze hier mal ein wenig abzukürzen: Sagen Sie doch mal klipp und klar, warum Sie meinen, dass der Nationalsozialismus ein linkes Projekt gewesen sei. Und zwar bitte ohne Albernheiten à la “Die hatten alle Uniformen an! Und die Führer haben sich Führer genannt!” Und ohne links (ich glaube Ihnen auch so und die Zeit, das alles zu lesen habe ich eh nicht).

  46. andrej schreibt am 5. Januar 2011 um 02:14

    Fast hätt ich Sie vergessen, Herr Schmidt. Pardon.
    “Sagen Sie doch mal klipp und klar, warum Sie meinen, dass der Nationalsozialismus ein linkes Projekt gewesen sei”, war Ihre Aufforderung.
    Gern. Die Sowjetunion unter Stalin hatte es verstanden. Sie nannten es einen “Raubkrieg”. Was, fragen wir mal rhetorisch, ist denn so ein Raubkrieg? Nun, im Grunde eine riesige Umverteilung von Besitz mit Waffengewalt. So ähnlich also z.B. wie auch die russische Revolution, oder, s.u. die Zwangskollektivierung unter Stalin.
    Ob man nun seiner Habe, oder, und auch das kam ja in beiden Fällen nur allzuoft vor, seines Lebens für das vermeintliche Wohl der Klasse der Werktätigen oder für die arische Rasse beraubt wird, weg ist weg, tot ist tot.
    Wie oben angedeutet: Es ist kein Wunder, dass Stalin sich so gut mit Raubkrieg auskannte. Nur 10 Jahre vor 41:
    “Natalia Nidzelskas Familie gehörte vor den Schicksalsjahren zur Mittelschicht. “Wir aßen dreimal pro Tag. Mein Vater war der einzige Schmied in Pilipi und hatte genug Arbeit”, erinnert sich Nidzelska. “1931 kamen die ersten Aktivisten und umzingelten die Dörfer. Jeder musste das Ackerland abgeben und in Kolchosen eintreten. Später nahmen sie das Vieh und sämtliche Nahrungsvorräte, bis wir gar nichts mehr hatten. Mein Vater musste auch seine Werkzeuge abgeben.”[…}
    “Meine Brüder versuchten Spatzen zu schießen und sich von Kaulquappen zu ernähren. Meine Schwester und ich konnten nicht jagen. Unsere Beine waren vor Hunger fast so fest wie Beton. Unsere Mutter hat uns heimlich ein bisschen mehr Brei gegeben als den Brüdern. Dann wurden wir aufs Feld geschickt, um zu arbeiten”, erzählt Nidzelska.”
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,458006,00.html

  47. andrej schreibt am 5. Januar 2011 um 20:04

    Einen hab ich noch, Herr Schmidt, auch wenn Ihnen das gar nicht gefallen wird:
    Der stellv. Vorsitzende der Tscheka, Martin Iwanowitsch Latsis, 1918 in Krasnnyi terror:

    „Wir führen nicht Krieg gegen einzelne. Wir vernichten die Bourgeoisie als Klasse.*“
    Zum Vergleich jemand in ähnlicher Funktion aus dem NS-Staat:
    ” Es mußte der schwere Entschluß gefaßt werden, dieses Volk von der Erde verschwinden zu lassen.**”

    Ersetzen Sie mal Klasse durch Volk/Rasse. Und, alles dasselbe?

    *(Jörg Baberowski: Der Rote Terror. Die Geschichte des Stalinismus, Deutsche Verlagsanstalt 2003, hier: Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für Politische Bildung, 2007, S. 38)
    **Heinrich Himmler am 6.10.1943
    vor Reichs- und Gauleitern in Posen.
    zit. n. H. Graml, Reichskristallnacht, S. 264

  48. Thilo Schmidt schreibt am 9. Januar 2011 um 14:44

    @ andrej

    Links = gewaltsame Umverteilung/Raub + Massenmord

    Dass Ihnen alles Linke zuwider ist, war Ihren Ausführungen ja durchaus zu entnehmen, aber dass Sie diesen altehrwürdigen Klassiker der anti-sozialistischen Propaganda im Ernst für eine gelungene Begriffsbestimmung halten, das wundert mich dann doch ein wenig.

    Mir bleibt dann ja mal wieder nichts anderes übrig, als darauf hinzuweisen, dass diese Gleichung lediglich dazu taugt, eine abgrundtief schlechte Meinung über alles Linke zu bebildern, als theoretische Aussage jedoch völlig untauglich ist: Überlegen Sie mal selbst, wo es in der Menschheitsgeschichte überall gewaltsame Umverteilung und Massenmord gegeben hat … Die Aufteilung Afrikas durch die imperialistischen Mächte Europas, die territoriale Expansion der USA durch Kriege gegen Mexiko und die amerikanischen Ureinwohner, die napoleonischen Kriege, die Eroberungszüge der Mongolen, der Gallische Krieg … Wenn Sie Ihre eigene Definition ernst nehmen, müssen das für Sie ja alles linke Umtriebe sein. Und dabei bleibt es noch nicht einmal: Sogar in prähistorischer, also vorpolitischer Zeit gab es bereits derartige Umtriebe, etwa wenn zwei Horden von Steinzeitmenschen um dieselben Jagdgründe kämpften.

    Das kann es also nicht sein.

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