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Virtuelle Steinigung

Den Ton und die Richtung gab die Kanzlerin vor, als sie durch ihren Regierungssprecher erklären liess, sie fände das Buch “verletzend und polemisch” und “überhaupt nicht hilfreich”, um “bei der Integration voranzukommen”. Es war das erste Mal seit Ludwig Erhard, der in den Flegeljahren der Bundesrepublik Intellektuelle als “Pinscher, Uhus und Banausen” bezeichnet hatte, dass ein amtierender Kanzler bzw. eine Kanzlerin sich ein literarisches Urteil erlaubt hatte - nicht als Privatperson bei einem Besuch der Frankfurter Buchmesse, sondern ex cathedra. Und es war das erste Mal, dass ihr niemand widersprach, so als gehöre es zum Amt der Kanzlerin, Bücher danach zu beurteilen, ob sie bei der Durchsetzung der Regierungspolitik hilfreich wären oder nicht. Wäre dies der Maßstab, müsste man mindestens 99% der jährlichen Buchproduktion gleich nach dem Erscheinen einstampfen.

Und als gäbe es in Deutschland wieder eine Reichschriftumskammer, die für Sprachregelung zuständig wäre,… Weiter auf der “Achse des  Guten”.

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September 2010

Autor: Henryk M. Broder | Kommentare: 5 | Print This Post Print This Post

Thema: Allgemein, Innenpolitik, Islam, Sozialdemokratisch-medialer Komplex
  1. Dorota schreibt am 2. September 2010 um 11:15

    Die Kanzlerin sollte erst einmal die Kunst der freien Rede üben, bevor sie sich als Literaturkritikerin aufspielt.

  2. Chaim Levinson schreibt am 2. September 2010 um 11:43

    Es gibt Redner, die können nicht schreiben, es gibt Autoren, die können nicht reden. Wenige können beides, die meisten können keins von beidem richtig. - Sarrazin schreibt besser als er redet, und die Kanzlerin redet noch schlechter, als ihre Ghostwriter schreiben.

    Eine derartig inkompetente Kritikerin kann Sarrazin sicher leicht verkraften. Zumal er sie ja bereits sehr cool abgebürstet hat, daß sie nämlich einfach den Mund halten soll, wenn sie das Buch doch gar nicht gelesen hat. Er hat es netter formuliert, aber ich kann’s halt nur so zusammenfassen…

  3. crackerjack schreibt am 2. September 2010 um 12:36

    Bezeichnend das gerade diejenigen die seit jahren mit größste kelle arbeiten jetzt plötzlich fair-play schreien.

    If you can’t stand the heat, don’t play with the oven.

  4. Chaim Levinson schreibt am 2. September 2010 um 16:48

    Sollte das etwa das Eingeständnis sein, daß das Mobbing und die Hetze gegen Sarrazin KEIN fair-play darstellt?

  5. andrej schreibt am 2. September 2010 um 17:42

    Mich hat die Stellungnahme der Kanzlerin überzeugt.
    Man sollte nach den weisen Worten der Kanzlerin Flagge zeigen, und demonstrativ in die CDU eintreten.
    Und dann in aller Konsequenz den Parteiausschluss von Mitglied Angela Dorothea Merkel (geborene Kasner; * 17. Juli 1954 in Hamburg) beantragen.

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