Wird geladen...
Javascript muss aktiviert sein.

Reisewarnung San Francisco – Amerikas Kalkutta

Nach einem Tag in San Francisco stellt man Folgendes fest: Die Zahl der leerstehenden Büros und Geschäfte, selbst in der Market Street, der Haupteinkaufsstrasse, ist gigantisch.

Leerstände überall, auch in Top-Lagen

Leerstände überall, auch in Top-Lagen

Haight Ashbury wimmelt von Touristen und alternden Hippies, die überwiegend Nutzloses in schäbigen kleinen Geschäften anbieten. Keinerlei Charme, dafür Dreck und Schmutz überall. Fisherman’s Wharf ist gesättigt von Touristenherden, die 3 T-Shirts für $ 10,00 und anderen Ramsch kaufen, soweit sie nicht schon in Chinatown ihr Geld für Seide dubiosen Ursprungs oder andere Imitate losgeworden sind.

Fisherman's Wharf: Ramsch und Touristenmassen

Fisherman's Wharf: Ramsch und Touristenmassen

Der Straßenbahnschaffner macht sich über diejenigen lustig, die an den Haltestellen der Cable Car die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben, einsteigen zu können. Die übervollen Trams nehmen niemanden mehr an Bord.

Von locals ausgelacht: Touris hoffen vergeblich auf die Cable Car

Von locals ausgelacht: Touris hoffen vergeblich auf die Cable Car

Die teuren Restaurants (und unter teuer verstehe ich, wenn man pro Kopf mindestens $ 150,00 ausgibt) sind brechend voll, die Galerien ebenso. Hier hält die amerikanische Linke Hof, die San Francisco seit Ewigkeiten fest im Griff hat. Draussen vor der Tür ist die Zahl verwahrloster Obdachloser und klinisch Geistesgestörter auch tagsüber und auch in den besten Vierteln der Stadt erschreckend. Unmengen von Menschen, die sich selbst überlassen wurden. Nicht einmal ein Bruchteil so viele Gestrandete sieht man etwa in Los Angeles oder New York. Man schämt sich unwillkürlich über so viel Gleichgültigkeit.

San Francisco ist ein großer, unappetitlicher Müllhaufen. Selbst wenn man in einem der besten Hotels der Stadt wohnt, will man hier nur möglichst schnell wieder weg. Die Golden Gate Bridge guckt man sich lieber in einem beliebigen Fotoband an.

Der Titel ist an einen Artikel von Ralph Peters angelehnt, an den ich mich beim Besuch von SFO unwillkürlich erinnerte.

© Joachim Nikolaus Steinhöfel 2010

Similar Posts:

Post to Twitter Post to Delicious Post to Digg Post to Facebook Post to Reddit Post to StumbleUpon

August 2010

Autor: Steinhöfel | Kommentare: 14 | Print This Post Print This Post

Thema: Allgemein, USA
  1. laser schreibt am 1. August 2010 um 05:20

    Währe dies nicht ein perfekter Ort, um Wowereit und Westerwelle gleich dahin zu exportieren?

  2. Christian schreibt am 1. August 2010 um 07:07

    Und ich habe mich sofort an einen Artikel der FAS erinnert, der über die “unamerikanischste Stadt Amerikas” philosophiert. Nach dem Artikel habe ich für mich entschieden, dass mich mein erster USA-Trip definitiv eben NICHT nach SF führen wird. Ich will die USA besuchen, eben um Amerika zu erleben und nicht irgendeine Kopie einer europäischen Großstadt

    http://www.faz.net/s/RubB4457BA9094E4B44BD26DF6DCF5A5F00/Doc~E0D50A8AAAA964739A66AD6001564C2DB~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  3. v.d.Osten schreibt am 1. August 2010 um 08:50

    dann muss sich in den letzten 5 Jahren SF sehr zum Negativen verändert haben. Für mich ist SF nach HH die schönste und interssanteste Stadt der Welt.

  4. Rainer Beel schreibt am 1. August 2010 um 13:49

    Na, dann bin ich ja froh, daß ich in Sighişoara war. Rumänien ist heute das, was Italien früher einmal war.

    http://www.beel-online.com/Sighisoara2010.html

  5. crackerjack schreibt am 2. August 2010 um 21:53

    Nicht nur SF, die ganze US, abseits der touristen disney spektakel verfällt und diesen verfall hat sich seit der finanzdebakel merklich beschleunigt. Die infrastruktur ist längst auf 3 welt niveau, baufälligen brücken, verrottetes stromnetz und wasserversorgung und abseits der finanz und militär schwerpunkte heruntergekommene städte und gemeinden mit herrscharen von bettlern und stadtstreicher.

    Es scheint so als ob die us denselben weg gehen wie die überrüstete sovietunion. High tech militär, das geld in den händen eine kleine eliete und ansonsten nicht mal in der lage einen vernunftigen konkurentfähiges auto zu produzieren.

  6. Paul schreibt am 4. August 2010 um 02:36

    Kalifornien sollte man wohl komplett meiden.
    Ansonsten, damit der Aufenthalt nicht ganz ernüchternd ist, sind die Galerien empfehlenswert (wenn man denn sowas mag :D)

    http://baylist.sfgate.com/winners/best-of-the-baylist/4766/wine-country/wine-country-art-gallery?view=map

    Schönen Gruß

  7. Alain schreibt am 5. August 2010 um 10:46

    Lieber Herr Steinhöfel

    Da war doch was?

    Sein oder Nichtsein, ist das wirklich die Frage?

    Denn auch was WAR, ist von da ab für immer, eine Leerstelle, etwas, das anwesend ist

    durch Abwesenheit, Präsenz. Gegenwärtigkeit durch die Leere, die es hinterlässt.

    Nicht die Erinnerung ist das Maß für das Gegenwärtige, sondern das Geschehne. Dazu gehört auch der Akt der Löschung, als Charaktermerkmal der Handlung, die erst mit dem zusammen, das stehenbleibt, das Ganze ausmacht, und den ‘Rest’ beleidigt, indem es ihn nicht der Löschung für würidig erachtet. Zeit ist also etwas ganz andere4s als man gewähnlich so zu wissen meint.

    Ist das nicht ein Mangel an Adel? Unter Aristokraten macht man das jedenfalls nicht. Es ist Sache des Mobs (links, rechts, mittig, oben, unten, hinten,vorn, lateral und bilateral) und des Lumpenproletariats, solche ‘Kommunikationsformen zu pflegen.’

    Die denkbar letzte aller zerstörbaren Koinzidenzen ist die Zerstörung der Kommunikation. Danach herrscht nur noch der alles durchdringende beissende Gestank einer bei lebendigem Leibe verrottenden Biomasse, nicht nur in Haight Ashbury, die am einen Ende schon verfault, während sie am anderen Ende noch als Masse anschwillt, um wie eine träge Melasse alles unter sich zu begraben bevor sie verrottet.

    Ob man dazu gehört ist Sache der Wahl eines Augenblicks, in dem sich alles entscheidet, und sie ist rein mentaler Art. Sie macht den Unterscheid zwischen dem Homo sapiens und dem Menschen, einer biologischen Form und einer kulturellen Schöpfung.

    Man braucht ein gewisses Sprachempfinden, um Wohlwollen als solches identifizieren und erkennen zu können. Es ist die lernpathologische Unbelehrbarkeit, der dies erkennbar fehlt. Und es ihr zu sagen wird als unerträgliche Kränkung verbucht. Das erklärt dann allerdings die Reaktion, als Unklugheit, die sich als solche zu erkennen gibt. Man mag das als taktischen Fehler betrachten und damit rechnen, dass es nicht auffällt angesichts einer verbreiteten, als fest Größe einsetzbaren Abstumnpfung, die sich sogar zur Koalitionsbildung nutzen lässt. Anders gesagt: Zur spontanen Zusammenrotung. Ob das dann die Bezeichnung der ‘guten Gesellschaft’ wirklich verdient ist so eine Sache.

    Andere Zensoren sind da ’schlauer’, indem sie die Möglichkeit des Kommentierens von vornherein mit Hindernissen verstellen und erschweren. Aber es läuft auf dasselbe hinaus, die Ersetzung der lange vergangenen Praxis der zugegeben oft schwer erträglichen Gepflogenheiten der chat-rooms durch das Totenreich der ‘Threads’.

    ;-)

    Alain

  8. times are changing schreibt am 13. August 2010 um 16:16

    Was sagt man eigentlich dazu? Immer dieser Rechtsanwalt mit Internet-Blog!

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article8986480/Schroeder-scheitert-mit-Klage-im-Fall-Kaessmann.html

  9. michael bender 70372 schreibt am 16. August 2010 um 01:16

    Dieser Bericht ist beispielhaft für die ganze USA. Das Land zerfällt, vor kurzem starb in Philadelphia ein 12 jähriger Junge weil die Feuerwehr auf Grund von Sparmassnahmen nicht rechtzeitig am Brandort eingetroffen ist.

    Aber es ist ja nicht nur die Infratsruktur die zerfällt, das Land als solches zerfällt in zwei Lager. Das wird 2012 richtig lustig werden im Wahlkampf.

    Wer die USA noch für eine Supermacht oder ein Vorbild hält, ist mit dem Klammerbeutel gepudert. Und 14 Dollar Eintritt zahlen ist ja nun wirklich der Gipfel.

    Mike der froh ist, dass sein Vater seinerzeit nach Toronto und nicht nach New York vesretzt worden war.

  10. crackerjack schreibt am 18. August 2010 um 11:29

    Viel beunruhigender als der physische verfall der USA ist der politische verfall. Die “politische” diskussion zum thema gesundheitsreform oder moscheebau von figuren wie beck, o’reily oder palin läßt jeder deutsche kneipenstammtisch wie eine professoren seminar in oxford erscheinen. Wenn man sich überlegt das palin der nächste präsident sein könnte wirds zeit für europa sich eine zukunft jenseits der atlantische allianz vorzustellen.

  11. Christine Wilhelmy schreibt am 19. August 2010 um 21:32

    San Franzisko ist immer noch eine der schönsten Städte der Welt, man sollte nur nicht unbedingt in Touristenfallen wie Haight Ashbury und Fisherman’s Wharf laufen oder den Teil der Market Street besuchen, der als Tenderloin-Viertel berüchtigt ist und Treffpunkt der Drogensüchtigen ist — wie es Herr Steinhöfel offensichtich getan hat. Seit einem Jahr investiert die Stadt in Renovierungsarbeiten und viele Stadtteile werden grüner — von Verfall kann keine Rede sein. Eher das Gegenteil.

    Interessant finde ich Herrn Steinhöfels Kommentar über “klinisch Geistesgestörte”, die “sich selbst überlassen wurden.” Hat Herr Steinhöfel schon seine eigene Kritik an Obamas Gesundheitsreform vergessen? Als ich nach San Franzisko zog, war ich geschockt, dass selbst gutausgebildete und relativ gutverdienende Menschen in den USA oft keine Krankenversicherung haben, weil sie sich das nicht leisten konnten. Eine Krankenversicherung kostete zwischen 600 und 3000 Dollar monatlich. Auch für Gutverdienende keine kleine Summe, besonders wenn man noch Familie hat. Damals habe ich nicht verstanden, dass viele mich um meinen Job im Silicon Valley beneideten — aber diese Jobs kommen mit einer guten Krankenversicherung, was für mich als Europäerin selbstverständlich war. Obamas Health Care Reform war notwendig und sorgt dafür, dass “klinisch Geistesgestörte” nicht länger “sich selbst überlassen” bleiben.

    Falls Herr Steinhöfel nochmal nach San Franzisko kommen sollte, könnte er vielleicht aus der Touristenfalle rauskommen und sich Hayes Valley, NOPA, Noe Valley, Castro, Pac Height und andere Viertel ansehen.

    Eine Reisewarnung ist absurd und wohl eher Teil der frango ut patefaciam Strategie, aber Touristen sollten auf jeden Fall die Tenderloin-Gegend meiden.

  12. Schlauspieler schreibt am 20. August 2010 um 09:34

    Liebe Frau Wilhelmy,

    man darf davon ausgehen, dass eine Dame, die in besagter und umstrittener Stadt gewohnt und einen Job in Silicon Valley hatte, zumindest Kenntnis von der richtigen Schreibweise des Stadtnamens hat. Ihnen mißlingt dieses Unterfangen mehrfach. Das nährt den Verdacht, dass hier jemand ein wenig aus einem beliebigen, wohlmeinenden Reiseführer abgeschrieben hat. Um im Kern die von der großen Mehrheit der Amerikaner abgelehnte “Gesundheitsreform” des Präsidenten zu loben.

  13. andrej schreibt am 20. August 2010 um 23:44

    Gähn…Cracker, Du bist so vorhersagbar wie Ebbe und Flut.
    Also zur Moschee an Ground Zero: Würdest Du eine Kultstätte der Aum-Sekte an der Stelle des Giftgas-Anschlags in der Tokioter U-Bahn auch befürworten? Vlt. mit Kerzen vor Shōkō Asahara-Bildnis?
    Soviel Religionsfreiheit sollte sein, oder?

  14. Barbara schreibt am 12. November 2010 um 22:59

    Wow, dazu faellt mir nur ein: typisch deutsch. Ein Tag in einer Stadt ist anscheinend genug, um im negativen Ton ueber diese herzuziehen. Warum sind Sie im Urlaub nur so schlecht gelaunt, Herr Steinhoefel?
    Und fuer alle anderen - San Francisco ist auf alle Faelle eine Reise wert!

Kommentar verfassen

Ich freue mich über jeden Kommentar. Im Interesse eines zivilen Diskurses erfolgen jedoch redaktionelle Kürzungen oder völliges Löschen, soweit Obszönitäten, unsachliche persönliche Attacken oder Beleidigungen enthalten sind oder der Kommentar nicht das jeweilige Thema behandelt.

 

Wein & Weinhandel Online